Schon seit fast einem halben Jahrhundert hat der Franzose Robert Merle eine weltweit unüberhörbare Stimme, und mit Romanen wie "Der Tod ist mein Beruf", "Malevil", "Madr pour" und natürlich "Die geschützten Männer" hat er sich auch bei seinen ostdeutschen Lesern nachdrücklich empfohlen. Beim Berliner Aufbau-Verlag wird derzeit das Alterswerk des Neunzigjährigen, eine lose Folge von Romanen unter dem Motto "Fortune de France" herausgegeben, und mit "Das Königskind" liegt nunmehr der fünfte Band dieser Reihe in der vorzüglichen deutschen Übersetzung von Christel Gersch vor. Als zu Beginn des 17. Jahrhunderts Ludwigs Vater Henry, seines Zeichens König von Frankreich und verheiratet mit der nach Macht strebenden Maria von Medici, ermordet wird, beginnt für den Jungen eine schwere, an Demütigungen, Unterdrückung und Herzenskälte von Seiten der Mutter reiche Zeit, bis er sich schließlich sieben Jahre später durch einen Staatsstreich an die legitime und ihm in der Erb- und Thronfolge zustehende Position des Monarchen bringen kann. Dabei hat der sympathische Junge, dessen schwere Kindheit Merle mit viel Verständnis und gelungenen Einbindungen in die damalige Zeit schildert, vor allem einen Helfer, seinen Ersten Kammerherrn Pierre-Emmanuel, dessen Geschichte es vor allem ist, die hier erzählt wird. Ohne je auszuufern gestaltet Robert Merle in seinem Roman ein wundervolles, farbenfrohes und obendrein spannend erzähltes Geschichtspanorama aus einer längst vergangenen Zeit, das den Leser in ein Frankreich der Glaubens- und Machtkämpfe entführt und ihm dort unterhaltsame Stunden bereitet, nicht zu vergessen den Zuwachs an gut recherchierten Fakten, den er für sich verbuchen kann. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)