Professorin Amelia Harsch, die man bereits aus dem ersten Band ,Das Königreich über den Wolken' kennt, ist karrieremäßig am Ende. Niemand außer ihr scheint an die Existenz des sagenumwobenen Camlantis zu glauben und Amelia bekommt nicht nur sämtliche Fördermittel gestrichen, ihr droht auch noch der Herauswurf aus der Akademie. Doch dann nimmt plötzlich der so geheimnisvolle wie exzentrische Abraham Quest Kontakt zu ihr auf und bietet ihr an, mit seinem schier unermesslichen Reichtum eine Expedition zur Suche nach Camlantis zu finanzieren. Das Unternehmen lässt sich zwar vielversprechend an, doch nach und nach wird klar, dass nichts und niemand das zu sein scheint, was er vorgibt, und dass bei dieser Angelegenheit jeder seine eigenen Pläne verfolgt ...
Der Roman ist, wie bereits der erste Band, vielschichtig und mit mehreren Handlungssträngen angelegt, allerdings ist diesmal ein roter Faden klar zu erkennen. Lief im Vorgänger alles noch äußerst chaotisch und unübersichtlich durcheinander, zeigen sich hier sehr schnell erste Bezüge und dem Leser wird klar vermittelt, dass alles miteinander zu tun haben muß. Es entsteht ein ,stressfreies' Lesevergnügen, welches sich entspannt genießen lässt.
Auch mit der Zahl der Protagonisten hat sich der Autor etwas zurückgehalten, es sind zwar nicht eben wenige vorhanden, doch nicht so viele, dass man den Überblick verlieren würde.
Der Story kommt das sehr zugute. Dadurch, dass jede einzelne Figur zudem über eine folgerichtig gezeichnete und differenzierte Persönlichkeit verfügt, kann man als Leser zu den Charakteren eine Beziehung aufbauen und mir ihrem Schicksal mitfiebern.
Lebendige und abwechslungsreiche Dialoge halten sich mit dem Erzähltext die Waage, Hintergrundwissen wird an den richtigen Stellen geliefert und der Plot liest sich spannend und besticht durch phantastische und auch originelle Ideen. Leider kommen Schilderungen wie auch ausführliche Beschreibungen etwas zu kurz, es werden zu wenig Stimmungen vermittelt und gelegentlich hat man Schwierigkeiten, sich mit Entfernungen und Örtlichkeiten zurechtzufinden.
An einigen Stellen erscheint die Erzählung etwas langatmig, hier hätte eine Straffung nicht geschadet. Des Weiteren sind einige abrupte Sprünge vorhanden, die einen zunächst stutzen lassen, später aber stimmig aufgelöst werden. Die Handlung mag manchmal ein wenig kompliziert erscheinen, jedoch hat alles seinen Sinn und Zweck, auch wenn sich dieser nicht selten erste nach einigen hundert Seiten erschließt. Ausgezeichnet gelungen lesen sich die vielen Wendungen, die zum Teil tatsächlich vollkommen überraschend sind und im großen Finale, wo auch sämtliche Handlungsstränge zuverlässig zusammengeführt werden, in ein stimmiges Ende münden.
Den Vorgängerband ,Das Königreich der Lüfte' muß man nicht gelesen haben, die Handlung nimmt nur wenig Bezug darauf und lässt sich ohne Verständnisprobleme verfolgen.