Ein klarer Fall für den "Witzig"-Stempel des Kängurus.
Mit dem Känguru-Manifest erscheint die Fortsetzung der Känguru-Chroniken. Insgesamt ist die Serie als Trilogie geplant, wobei ich bei Marc-Uwe Kling nicht ausschließen möchte, dass die Trilogie mehr als 3 Bände enthalten wird. Wer die Chroniken schon mochte, wird das Manifest lieben.
Marc-Uwe Kling, 1982 geboren lebt in Berlin-Kreuzberg und hat Philosophie und Theaterwissenschaft studiert. Seit einigen Jahren tritt er als "Kleinkünstler" vornehmlich auf Berliner Bühnen auf. Er ist ein Meister des Poetry-Slams. Inzwischen ist er bundesweit bekannt, hat prominente Fans und auch schon einige Preise eingeheimst.
In seinem Programm lebt er mit einem Känguru zusammen, dass schnapspralinensüchtig, kommunistisch und nicht immer politisch korrekt ist. Und gerade das macht die teils absurde, bösartige und witzige Komik aus.
Zum Buch:
Nach den Känguru-Chroniken war es nicht leicht, die Geschichten noch zu übertreffen. Aber Marc-Uwe Kling hat es meiner Meinung nach geschafft. Das Buch ist zwar leicht anders; politischer, gar düsterer an manchen Stellen, aber auch absurder und alberner.
Das Känguru arbeitet weiter an der Weltformel und stellt nebenbei allerhand Unsinn an. Der neue Nachbar, der Inbegriff eines gutbürgerlichen, spießigen Pinguins treibt das Känguru zu neuen Höchstleistungen und Verschwörungstheorien.
Im Buch gibt es einige rote Fäden, die in den kurzen Geschichten immer wieder aufgegriffen werden. Dazu gehören die neue Rechtspartei "Dwiggs", das Ministerium für Produktivität, ein Fight Club, ein Asoziales Netzwerk und Anti-Terror-Anschläge.
Zitate werden komplett anderen Menschen in den Mund gelegt und erhalten so eine völlig neue (und witzige) Bedeutung. Marc-Uwe Kling spielt mit Worten und erfindet dabei neue.
Viele der kurzen Episoden führten bei mir dazu dazu, dass ich laut loslachte und anderen Menschen diese Passagen vorlesen wollte.
Der Unterschied zwischen Comedy und Kabarett ist hier fließend. Zum Teil gibt es bitterböse Kapitalismuskritik, die aber immer den Nagel auf den Kopf trifft. Das Känguru ist manchmal wirklich böse, anarchistisch und gemein. Es tut genau die Dinge, die wir gerne machen würden, uns aber nicht trauen. Dabei sind alle Geschichten immer dran am Zeitgeist, an der Schnelllebigkeit und Technikabhängigkeit unserer Zeit.
Daneben nimmt sich der "Kleinkünstler" selbst nicht so ernst und kann sich auch über die Probleme seiner eigenen Kreativität lustig machen.
In der letzten Woche hatte ich die Gelegenheit, Marc-Uwe Kling live im Berliner Mehringhof-Theater zu erleben. Es übertraf sogar noch meine hochgesteckten Erwartungen. Gehen Sie hin. Es lohnt sich.
In seinem Programm singt er einige seiner Lieder, die meist genau beobachtet und tagesaktuell sind. Auch hier kommt der Klamauk nicht zu kurz, auch wenn einem manchmal das Lachen im Halse stecken bleibt. Überraschenderweise haben sich beim Live-Programm meine Sympathien vom Känguru zu Marc-Uwe Kling hin verschoben. Es kommt tatsächlich darauf an, in welchem Ton man diese Geschichten liest.
Und übrigens: das ist ein prima Buch zum Verschenken. Sie können damit nichts falsch machen.
Zur Wertung:
Originalität: *****
Charakterzeichnung: ****
Handlung: ****
Sprache: ****
Humor: *****
Gesamtwertung: 4,5 / 5