Im Mittelpunkt von Sandra Lessmanns neuem Roman "Das Jungfrauenspiel" steht Marianna Ashton, Frau des von der britischen Krone nach der Beteiligung an einem Komplott gegen Königin Elisabeth ins französische Exil verbannten nordenglischen Grafen Roger Ashton. Dieser wird von der britischen Krone verdächtigt, im Exil mit den Spaniern zusammenzuarbeiten und Kontakt zu dem berüchtigten Spion '"Der Greif"' zu haben, der bereits seit langem von den Briten gesucht wird.
Als Marianna, die ihrem Mann ins Exil gefolgt ist, unter falschem Namen wieder nach England übersetzt, um ihren Sohn zurückzuholen, der ihr nach der Verbannung genommen wurde, werden sowohl sie als auch ihr Mann von der englischen Krone gefangen genommen. Bei dem Versuch der Briten, die Identität des "Greifs" durch Folter zu lüften, stirbt ihr Mann, während Marianna gezwungen wird, bei Verwandten zu spionieren, zu deren Haus "der Greif" Zugang haben soll. Der Preis für den Verrat an der eigenen Familie ist die Rückgabe ihres Kindes...'
Nach den beiden Vorgängerromanen um Richter Trelawney und Pater Blackshaw kann der neue Roman von Sandra Lessmann mich nicht überzeugen. Obwohl die Geschichte einige gute Ansatzpunkte bietet, wirkt der Plot insgesamt undurchdacht, vorhersehbar, dümpelt größtenteils ohne nennenswerte Ereignisse vor sich hin und ist vielfach sogar unrealistisch. So habe ich mich während des Lesens beispielsweise gefragt, warum ausgerechnet Marianna Ashton zur Enttarnung eines angeblich so gefährlichen und berüchtigten Spions eingesetzt wird, wo es doch den hochrangigsten Spionen der britischen Krone bis dato nicht gelungen war, den Spion zu überführen. Ihre "Ermittlungen" bei ihren Verwandten verlaufen daher auch schleppend und führen eigentlich nie zu einem nennenswerten Ergebnis, das beim Lesen Spannung hätte erzeugen können.
Marianna Ashton selbst war mir während des gesamten Buches unsympathisch und ihre Motive größtenteils unglaubwürdig. Die vielfache Hervorhebung ihrer Liebe zu ihrem Sohn bzw. ihrer Achtung für ihren Mann wurde durch ihre Handlungen kaum bestätigt. So verliebt sie sich beispielsweise mal eben, kaum das ihr Mann tot ist, in James Danvers, einen Freund ihres Vetters, obwohl sie angeblich so sehr um ihren Mann und ihren Sohn trauert und kaum einen klaren Gedanken fassen kann.
Auch die Sprache der Autorin war - im Gegensatz zu ihren vorherigen Büchern - an manchen Stellen des Buches unterirdisch. Insbesondere die Passagen, wo immer wieder darauf hingewiesen wird, wie 'einfühlsam' und 'verständnisvoll' sich James Danvers gegenüber Marianna verhält und was für eine Stütze er ihr in 'Zeiten ihrer großen Not' ist, weshalb sie ihm am laufenden Bande '"ein dankbares Lächeln zuwirft"', hatten schon fast Groschenroman-Niveau. Ich habe mich beim Lesen wirklich gefragt, ob dieses Buch von der gleichen Autorin geschrieben wurde.
Mein Fazit: Die Autorin kann es definitiv besser - wie '"Die Richter des Königs"' und '"Die Sündentochter"' gezeigt haben - und es bleibt zu hoffen, dass sie bei Folgeromanen zu alter Stärke zurückfindet!