Was kann einem Autor Besseres passieren als dass sein Buch eine breite Diskussion entfacht, an der sich die namhaftesten Fachvertreter beteiligen? Im Vorwort seines Jesus-Buches hat sich der Papst dies ausdrücklich gewünscht. Denn - was von manchem gern übersehen wird - seine Darstellung will ja gerade kein "lehramtlicher Akt" sein. Ganz egal zu welchem inhaltlichen Urteil man also über sein jüngstes Werk gelangt, es ist ein überaus großes Verdienst des Papstes, das Interesse an Jesus, an seinem Leben und seiner Botschaft weit über den Kreis der kirchentreuen Christen hinaus geradezu beflügelt zu haben.
Alle Autoren haben sich durch wichtige Veröffentlichungen zur historischen Jesusforschung einen Namen gemacht; alle würdigen die zentralen Anliegen des Papstes mehr (so sein alter Regensburger Kollege Franz Mußner) oder weniger (etwa Jens Schröter) positiv. Dass sie manche "blinden Flecken" (so nennt sie Martin Ebner in seinem Beitrag) im Jesusbild des Papstes entdecken, sollte niemanden überraschen. Ihre Kritik tragen sie dabei stets mit Respekt vor dem Amt des Papstes aber auch vor der theologischen Kompetenz und spirituellen Tiefe des einstigen Professors Joseph Ratzinger vor. Für jeden, der an ernsthafter und wissenschaftlich verantworteter Auseinandersetzung interessiert ist, ein hilfreicher Begleitband zur Lektüre des Papstbuches!
Ein Stern muss allerdings m.E. aus zwei Gründen abgezogen werden: Denn zum einen gelingt es nicht allen Autoren so allgemeinverständlich zu schreiben, dass auch Nichttheologen ihre Argumente nachvollziehen können. Zum anderen ist der Untertitel in der Tat unglücklich gewählt: Auch wenn sich symbolträchtig "12" Autoren hier zusammmengefunden haben, sind das beileibe nicht "die" Neutestamentler!