Das Buch wurde von Siegfried. J. Schmidt in seinem Beitrag zu dem Buch 'Schlüsselwerke des Konstruktivismus' als Weg aus dem Konstruktivismus heraus gepriesen. Diesen Anspruch kann das Buch nicht einmal ansatzweise erfüllen. Ich blende die Auseinandersetzungen mit dem Dualismus gleich aus, da er für mich nicht fruchtbar war und ins Leere läuft, und beziehe mich auf den Anhang zur Kritik an Maturana. In der Tat ist es eine reine Kritik an Maturana, weniger an den entscheidenden Aussagen des Konstruktivismus, ändert wenig an ihnen. Es kann eher hier und da Maturanas sprachliche Ungenauigkeiten gerügt werden, aber das ändert nichts an der Aussage, dass der Mensch die Welt nur über sich wahrnehmen kann. Das heißt auch nicht, dass er nicht Annahmen vorbringen kann, die für ihn zutreffend erscheinen. Mit einer bestätigten Wahrheit darf das natürlich nicht gleichgesetzt werden. Daran ändert auch dieses Buch nichts. Wenn das hier der entscheidende Schlag gegen den Konstruktivismus gewesen sein soll, dann hat der Konstruktivismus nichts zu befürchten. Der Konstruktivismus sollte nicht unreflektiert stehen gelassen werden, aber ich finde nicht, dass das Buch irgendeinen tiefergehenden Beitrag dazu leistet. Aber andere mögen das anders sehen. Darüber hinaus ist das Buch auch noch im Gedankengang ziemlich langweilig. Nach Nietzsche sollte es niemanden verziehen werden, wenn er einen langweilt. Nun könnte man sagen das bringt der Inhalt so mit sich. Aber ich glaube nicht. Sind die Gedanken spannend, wird auch ein schwieriger Themenbereich spannend, bzw. der Themenbereich ist ohnehin spannend, es ist schon eine Kunst ihn unspannend zu machen. Im Vorwort schreibt der Autor, er hat sich mit dem Buch Zeit gelassen, nach seinen Angaben 17 Jahre (1973 bis 1990). Das soll philosophische Reife belegen. Aber nicht jeder philosophische Gedankengang wird tiefer, bloß weil er wie Wein liegen gelassen wird. Ist der Ausgangsgedanke schwach wird er auch nach 20 Jahren, ja nach 2000 Jahren noch schwach sein. Dass das Buch langweilig und belanglos ist, liegt meines Erachtens daran, dass es einfach genau das ist: Langweilig und belanglos. Ich gebe dem Buch zwei Sterne. Für manche mag, je nach Ausgangslage, das Buch noch den oder anderen interessanten Gedanken liefern. Das sollte nun keine fundierte Kritik sein, nur der Hinweis, dass man sich von dem Buch nicht zu viel versprechen sollte und sich darum nicht darauf zu stürzen braucht, sondern es, wenn überhaupt, irgendwann einmal bei Gelegenheit lesen kann. Es ist kein Must-Read.
Eine schlechte Kritik führt oft erst Aufmerksamkeit zu, die womöglich gar nicht verdient ist, daher hätte ich wohl besser nichts gesagt, denn bisher hat noch keiner dieses Buch rezensiert. Nun ist es aber zu spät :-)