Wie sah Europa 1899, dem Geburtsjahr von Maks Vater, aus, wie roch es, welche Geräusche bestimmten das Leben? Mit wenigen Sätzen ersteht vor einem das Bild einer fremder und gleichzeitig so nahen, nur durch eine Generation von uns getrennten Zeit. Kein Dichter könnte dies plastischer schildern! Wir begleiten dann den Vaters des Autors, einen kalvinistischen Geistlichen, bei seiner Reise durch die Zeit und gerade diese Verknüpfung von anrührenden, sehr persönlichen Erfahrungen mit den politisch-gesellschaftlichen Veränderungen, die diese bedingt haben, machen dieses Buch zu einer der großartigsten und lehrreichsten historischen Darstellung, die ich kenne. Sie liest sich wie ein Roman und gleichzeitig beschreibt sie dieses wirre und ereignisreiche 20. Jahrhundert mit seinem optimistischen Aufbruch zu Beginn, der durch den ersten Weltkrieg zersplitterte, dem Ende des Kolonialismus, dem Faschismus und Stalinismus, den bleiernen 50ger Jahren, der Zeit der Revolte und der eher depressiven kollektiven Grundstimmung beim Jahrtausendwechsel, deren Urschen Mak treffend benennt. Wer meint, dass die Lebensgeschichte eines niederländischen Predigers einem nichts zu sagen hätte, der irrt gewaltig! Ich beneide jeden, der dieses Buch noch nicht gelesen hat, denn er hat ein großes Vergnügen noch vor sich.