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Das Jahrhundert meines Vaters
 
 
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Das Jahrhundert meines Vaters [Taschenbuch]

Geert Mak , Gregor Seferens , Andreas Ecke
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 576 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (25. Juli 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442733472
  • ISBN-13: 978-3442733477
  • Originaltitel: De Eeuw van mijn Vader
  • Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 12 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Geert Mak
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Familiengeschichten und Weltgeschichte Eine Jahrhunderterzählung von Geert Mak Ganz am Ende seiner Jahrhunderterzählung erinnert Geert Mak noch einmal an seinen Vater, der – obwohl nach einer Hirnblutung stark behindert – auch in den letzten Lebensjahren «mühsam, aber beharrlich Briefe an seine Kinder und alte Bekannte» geschrieben hat. Mit dieser Erinnerung macht Mak indirekt auch noch einmal auf die Voraussetzung seines Buches aufmerksam. Die Maks waren eine Familie von leidenschaftlichen Briefschreibern, die zudem, soweit es ihnen möglich war, die empfangenen Briefe und andere schriftliche Lebenszeichen und -zeugnisse aufbewahrt haben. So fanden sich im Nachlass der Mutter «Säcke und Kartons voller Familienkorrespondenz». Zusammen mit anderen aufschlussreichen Dokumenten bilden die vielfältigen Korrespondenzen ein ausserordentlich wertvolles und reichhaltiges Familienarchiv, dessen authentische Schätze Geert Mak mit seinem oft ergreifenden Buch «Das Jahrhundert meines Vaters» gehoben und in ihm aufgehoben hat. Geert Mak präsentiert die Geschichte seiner Familie, die er – falls es so etwas gibt – in niederländischer Nüchternheit erzählt, immer im Kontext der Weltgeschichte des 20., aber auch – in kurzen Rückblicken – des 19. Jahrhunderts. Familien- und Weltgeschichte, die in einen bald engen, bald weiten sozial- wie kulturgeschichtlichen und weltpolitischen Verweisungszusammenhang gestellt werden, illustrieren sich auf diese Weise gegenseitig. «Das Jahrhundert meines Vaters» ist eine anschaulich erzählte primär niederländische, doch ungemein welthaltige Familiengeschichte. Die lebensgeschichtlichen Milieuschilderungen, mit denen das Buch beginnt und die eine «Kultur der Stagnation» beschreiben, evozieren Erinnerungen an Gemälde alter holländischer Meister. Geert Mak lässt ein Jahrhundert Revue passieren und erzählt die Geschichte einer Familie im dramatischen Wandel der Zeiten. Doch nur der Vater, der 1899 in Schiedam, einem Ort nahe Rotterdam an der Mündung der Maas, geboren wurde, wird im Titel genannt. Der Grund dafür dürfte in der Tatsache zu sehen sein, dass Catrinus Mak als «Seelenhirte» der orthodox-calvinistischen Kirche der Repräsentant einer jener alten und staatstragenden Institutionen gewesen ist, die im christlichen Abendland des 20. Jahrhunderts auf exemplarische Weise dem dramatischen Wandel der Zeiten ausgesetzt waren: die Religion und die Kirchen. Im «rasenden Räderwerk» des Jahrhunderts wurden sie zwar nicht zerrieben, doch verloren sie wesentlich an Macht und Einfluss. Mehr und mehr verschwand in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die gerade auch für die Niederlande charakteristische Kultur der Glaubensgemeinschaften; die Kirchen erlebten einen «beispiellosen Exodus aus ihrer festgefügten Welt», als deren «Diener von Gottes Wort» sich Catrinus Mak sein Leben lang selbstverständlich verstanden hat: «Mein Vater betrieb die Theologie wie sein Vater die Segelmacherei: ernsthaft, mit handwerklicher Sorgfalt und Achtung vor seinem Fach.» Seine theologisch pastorale «Segelmacherei» betrieb Geert Maks Vater beinahe zwanzig Jahre lang nicht in den Niederlanden, sondern in Indonesien, das bis nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die niederländische Kolonie Ostindien gewesen ist. Zwar erlebten die Maks – bis auf die beiden ältesten Kinder, die in den Niederlanden aufs Gymnasium gingen – in dem Riesenarchipel nur aus grosser Ferne und zunächst eher wenig von den europäischen Unruhen, die in der deutschen Besetzung der Heimat und der Deportation fast aller niederländischen Juden ihren grauenvollen Höhepunkt erreichte. Aber in die Strudel des Zweiten Weltkriegs, die sich in der Eroberung Indonesiens durch die Japaner, der Befreiung durch die Amerikaner und auch in den terroristischen Unabhängigkeitskämpfen zwischen Indonesiern und Niederländern manifestierten, wurden auch die Maks hineingezogen. Der Vater überlebte fünf Jahre in japanischer Gefangenschaft, in der er beim Bau der Eisenbahnlinie durch den Dschungel von Burma eingesetzt wurde, bei einem Projekt, das so mörderisch war, dass der fromme Mann einmal die fast schon blasphemische Bemerkung notierte: «Gott treibt seinen Spott mit uns.» Ob Gott nicht seinen Spott mit ihnen treibe, dürften sich Catrinus Mak und seine Frau Geertje auch in den Nachkriegsjahren, als sie wieder in den Niederlanden lebten, hier und da einmal gefragt haben. Denn die Welt hörte nicht auf, das zu tun, was sie in dem ganzen Jahrhundert getan hatte und was Geert Mak in seinem Buch eindrucksvoll zur Sprache und mit Blick auf die Lebenszeit seiner Eltern so zum Ausdruck bringt: «Die Welt hatte sich während ihres Lebens um- und umgewälzt . . .» Rainer Hoffmann -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 01.10.2003
Obwohl er selbst Niederländer ist, erging es Cees Noteboom beim Lesen dieser Romans teilweise so, als betrete er einen unbekannten Kontinent und erkunde dort das Treiben eines geheimnisvollen Volksstamms. Gemeint sind die niederländischen Protestanten (Noteboom selbst ist Katholik), die sich in den 20er Jahren über eine Genesis-Interpretation in zwei Glaubensrichtungen spalteten. Der titelgebende Vater Geert Maks war orthodox-calvinistischer Pfarrer, den es in die holländische Kolonie Sumatra verschlug. Noch heute, meint Noteboom, könne er sämtliche Inseln des "Smaragdgürtels" herunterbeten. Aus Briefen seiner Eltern und seiner sechs älteren Geschwister habe der 1946 geborene Erzähler jene enge holländisch-prostestantische einerseits und die fremdartig-koloniale Welt andererseits rekonstruiert, fokussiert durch das Schicksal seiner von der japanischen Okkupation auseinandergerissenen Familie. In der unsentimentalen Schilderung dieser Katastrophe erweist sich für Noteboom das ganze Können Maks, der auch nicht davor zurückscheue, Fakten und Zahlen zu benennen, die von Hollands angeblicher Toleranz und Weltoffenheit wenig übrig ließen. Mak entführt in einen Winkel der Welt und in Ecken der Geschichte, lobt Noteboom dieses in Holland sehr erfolgreiche Buch, die selbst Niederländern bislang verschlossen blieben.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 02.10.2003
Johannes Willms ist von diesem Buch, in dem der Autor die niederländische Geschichte des 20. Jahrhunderts anhand des Lebens seines Vaters darstellt, durch und durch begeistert. Er bejubelt das Buch als "beneidenswertes Kunststück", dem es gelingt, individuelle und gesellschaftliche Geschichte miteinander zu verschränken und sich gegenseitig zu beleuchten. Er preist die "spannende" Darstellungsweise Geert Maks, der darauf verzichtet, durch "akademischen Anspruch" abzuschrecken und damit, wie der Rezensent erfreut feststellt, ein im "besten Sinne populäres" Werk geschrieben hat. Auch dass der Autor keine "besserwisserischen Anklagen" gegenüber der vorhergehenden Generation formuliert und statt dessen "nüchterne Opferzahlen" sprechen lässt, findet der Rezensent außerordentlich überzeugend. Schließlich lobt Willms auch noch die Übersetzung ins Deutsche ohne Einschränkung, und er sieht in ihr das "angenehme Parlando" des Autors "vorzüglich" wiedergegeben. Lediglich an der Erörterung der "innerkirchliche Auseinandersetzungen" hat Willms nicht so viel Gefallen gefunden, weil er sie viel zu "ausführlich" fand. Insgesamt aber, so der Rezensent restlos überzeugt, eine "überaus anregende Lektüre", die einen "nicht hoch genug einzuschätzenden Beitrag" zum Verständnis von Geschichte leistet.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
17 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein Meisterwerk 15. August 2006
Von Angsthase
Format:Taschenbuch
Geert Mak schafft es in diesem Buch Geschichte so eindrucksvoll darzustellen, wie ich es bis jetzt selten gelesen habe. Seine klare, einfache und doch so wortreiche und einfühlsame Sprache lässt einen die Geschichte seiner Familie einerseits und die seines Landes andererseits im wahrsten Sinne des Wortes miterleben. Bei Mak sind das aber keine konträren Sichtweisen. Gesellschaftliche Strömungen und Privates werden durch seine Erzählweise ein logisches Ganzes. Erlebnisse seiner Familienmitglieder sind ihm genauso wichtig wie politische Ereignisse. Am meisten beeindruckt hat mich, dass er sich vorschneller Urteile enthält; eine heutzutage sehr seltene Eigenschaft. Das heisst allerdings nicht, dass er gar nicht urteilt, im Gegenteil. Pseudoobjektive, kühle, akademische Distanziertheit ist seine Sache nicht. Das ist Geschichtsdarstellung in ihrer, wie ich finde, besten Form: lebendig, mitfühlend, ohne Pathos, das "Kleine" genauso beachtend wie das "Große" und immer auch versehen mit einem Hauch von Melancholie. Dieses Buch ist eines der besten, dass ich bis jetzt gelesen habe. Ein Meisterwerk eben.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Tom Kadi VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Wie sah Europa 1899, dem Geburtsjahr von Maks Vater, aus, wie roch es, welche Geräusche bestimmten das Leben? Mit wenigen Sätzen ersteht vor einem das Bild einer fremder und gleichzeitig so nahen, nur durch eine Generation von uns getrennten Zeit. Kein Dichter könnte dies plastischer schildern! Wir begleiten dann den Vaters des Autors, einen kalvinistischen Geistlichen, bei seiner Reise durch die Zeit und gerade diese Verknüpfung von anrührenden, sehr persönlichen Erfahrungen mit den politisch-gesellschaftlichen Veränderungen, die diese bedingt haben, machen dieses Buch zu einer der großartigsten und lehrreichsten historischen Darstellung, die ich kenne. Sie liest sich wie ein Roman und gleichzeitig beschreibt sie dieses wirre und ereignisreiche 20. Jahrhundert mit seinem optimistischen Aufbruch zu Beginn, der durch den ersten Weltkrieg zersplitterte, dem Ende des Kolonialismus, dem Faschismus und Stalinismus, den bleiernen 50ger Jahren, der Zeit der Revolte und der eher depressiven kollektiven Grundstimmung beim Jahrtausendwechsel, deren Urschen Mak treffend benennt. Wer meint, dass die Lebensgeschichte eines niederländischen Predigers einem nichts zu sagen hätte, der irrt gewaltig! Ich beneide jeden, der dieses Buch noch nicht gelesen hat, denn er hat ein großes Vergnügen noch vor sich.
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mirka
Format:Taschenbuch
Schon im Vorfeld melde ich, dass ich kein fanatischer Liebhaber von Geschichte bin. Gerhard Maks Buch bekam ich als Geschenk von meiner Mutter, die der Meinung war, dass mich dieses Buch als in Holland lebende Deutsche doch interessieren müsse. Und das hat es. Ein dickes Buch, für welches man sich Zeit nehmen sollte. Um der Handlung gerecht zu werden, sollte man es auch nicht allzu fragementarisch lesen. Interessant ist die Art und Weise, wie Gerhard Mak Mikrogeschichte mit Geschichte zu verbinden weiss. Indem er die persönlichen Geschehnisse seiner Familie im Universum der Weltgeschichte lokalisiert, bezieht er den Leser mit ein und sorgt dafür, dass Weltgeschichte konkreter und verständlicher wird. Dass er die Fähigkeit besitzt, die Kombination auch sprachlich schön herzustellen, möge deutlich sein. Das Schreiben eines solchen Buches in all seiner Komplexität empfinde ich ohne weiteres als eine grosse Leistung.
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