Eine Stadt an der Ostküste der USA in nicht allzu ferner Zukunft. Die Klimaerwärmung hat so große Ausmaße angenommen, dass es kaum noch zu unterscheidende Jahreszeitegen gibt, es ist immer heiß und ohne UV Schutz und UV Mäntel kann man sich kaum noch hinauswagen. Ein Großteil der uns bekannten Arten ist ausgerottet und durch genetische neue Spezies, sogenannte Spleiße ersetzt worden, wie den Pfaureiher, das Löwamm (eine Mischung aus Löwe und Lamm), grüne Kaninchen, Schweine mit menschlichen Hirnzellen oder Lumirosen (Rosen, die im dunkeln leuchten).
Der Staat hat sich aus seiner Verantwortung zurückgezogen und diverse Konzerne haben das Territorium unter sich aufgeteilt. Private Sicherheitsunternehmen haben die militärische Macht im Auftrag der Konzerne übernommen. Verbrecher werden nicht mehr hingerichtet, sondern zur Unterhaltung der Massen in einem Spiel namens "Painball" in zwei Gruppen gegeneinander gehetzt.
Die Konzerne handeln wie Staaten, sie entführen Wissenschaftler der Konkurrenten um deren Wissen zu erpressen oder Lösegeld zu verlangen, und die Gesellschaft gliedert sich in Konzernmitglieder oder Plebs, Menschen ohne Konzernausweis, die durch alle Raster gefallen sind.
Zu diesen Plebs zählen auch die Gottesgärtner. Eine Ökosekte, die ein puritanisches Antikonsumhaltung verfolgt, nur wiederverwertetes Material verwendet und nur selbstangebautes Obst und Gemüse isst, das sie in einem Garten auf einem Hochhaus, namens Felsen Eden anbauen. Die Gottesgärtner predigen die "Wasserlose Flut", die die Menschheit auslöschen wird, und bereiten sich mit verborgenen Ararats (Nahrungsverstecken) auf diese Katastrophe vor. Sie wollen keine unnötigen Spuren auf der Erde hinterlassen, sie verweigern sogar schriftliche Aufzeichnungen und sie erheben Menschen, die ihr Leben für die Erhaltung der Natur gaben zu ihren Heiligen, so wie St. Jane Jacobs, St. James Lovelock, St. Dian Fossey. Zu diesen Gottesgärtnern gehören auch Ren und Toby, Überlebende der "wasserlosen Flut". Diese Buch erzählt ihre Geschichte.
Margaret Atwood erzählt diese Geschichte aus zwei Blickwinkeln, zum einem aus Tobys Sicht. Toby verschlug es zu den Gottesgärtnern, nachdem sie als Angestellte bei "GeheimBurger" von ihrem Chef in jeder Mittagspause vergewaltigt wurde, die Gottesgärtner retten sie und geben ihr die Chance auf ein neues Leben. Zum anderen aus der Sicht Rens, die bei den Gottesgärtnern aufwuchs, bis ihre Mutter sie wieder in den Schoß des Konzerns mitnahm.
Mit diesem Buch kehrt Margaret Atwood zum zweiten Mal in diese Welt zurück, die sie schon in
Oryx und Crake beschrieb. Sie erzählt diese Geschichte nicht nur aus verschiedenen Blickwinkeln, sondern auch aus verschiedenen Zeitperspektiven. Zum einen gibt es den Zeitstrang nach der wasserlosen Flut im Jahr 25 nach der Zeitrechnung der Gottesgärtner, zum anderen wie es zu dieser wasserlosen Flut kam, bis diese beiden Zeitstränge miteinander verschmelzen. Jedes Kapitel wird von einer Predigt von Adam Eins, dem gestigen Führer der Gottesgärtner eingeleitet, in welchem man mehr über diese Religion erfährt, die eine Mischung aus Christentum und moderner Wissenschaft ist. Diese Predigt wird immer mit einem passenden Lied aus dem Gesangbuch der Gottesgärtner beschlossen, die man vertont auf der Webseite des Buches (yearoftheflood.com) anhören kann.
Dieses Buch ist kein einfaches Endzeitepos und wird auch nicht unbedingt den normalen Leser von SF Geschichten ansprechen, denn dieses Buch ist auch ein literarisches Kleinod. Es ist voller bildreicher Wortneuschöpfungen und lebendiger, expressiver Sprache. Nicht umsonst wird die bereits siebzigjährige Margaret Atwood immer wieder als Kandidatin für den Literaturnobelpreis gehandelt.
Natürlich sind die meisten der Aspekte dieser Geschichte nicht neu. Konzerne, die die Macht ergreifen, das Territorium unter sich aufteilen und wie Kleinstaaten agieren kennt man aus
Shadowrun Regelbuch. Verbrecher, die zur Belustigung der Massen gegeneinander antreten kennt man aus Running Man und Geschichten, in welchen Seuchen die Menschheit ausrotten gibt es zu viele, um sie hier aufzuzählen, die bekannteste Version dürfte wohl
The Stand - Das letzte Gefecht sein.
Das Besondere an diesem Buch ist die Erzählweise der Autorin. Fesselnde Science Fiction, sozialkritisch und doch literarisch anspruchsvoll, eine seltene Mischung.