Dass der Mauerfall und die Wiedervereinigung überhaupt stattfinden konnte, ist - so die Hauptaussage des Autors - nur einer ganzen Reihe von Zufällen zu verdanken, einer Fülle von manchmal unglaublichen Glücksfällen. Die richtigen Personen mußten zum richtien Zeitpunkt am richtigen Ort sein. Die Situation stand in den historischen Jahren 1989/90 mehr als einmal auf Messers Schneide. Wären die Ereignisse auch nur ein wenig anders verlaufen, hätte es statt einer friedlichen Revolution hätte es eine "chinesische Lösung" mit einem blutigen Bürgerkrieg gegeben.
Anhand von 10 ausgewählten "Glücksfällen" (es waren sicherlich viel, viel mehr) belegt Michael Funken (übrigens aus dem "Rennstall" um Guido Knopp) dies mit sehr detaillierten Berichten, die sehr lebendig und spannend geschrieben und minutiös recherchiert wurden (im Anhang sind knapp 300 Quellenangaben enthalten).
Neben den großen Politikern dieser Zeit wie Gorbatschow, Schabowski und Helmut Kohl mit den mit ihnen verknüpften bekannten Ereignissen werden auch die Aktivisten der Bürgerbewegung gewürdigt, deren Namen heute kaum mehr jemand kennt. SO ist es einem Dissidenten Namens Roland Jahn zu verdanken, dass die Fernsehbilder der Massendemos ins Westfernsehen gelangten und somit als Katalysator wirkten. In Dresden trug der besonne Dialog von Kaplan Richter und VoPo Pappermann dazu bei, die entscheidende Demonstration in Dresden (8.10.1989) nicht eskalieren zu lassen.
Insgesamt merkt man beim Lesen immer wieder, welch ein Geschenk die Wiedervereinigung eigentlich war und dem Autor ist es sehr wichtig, dies den Lesern bewußt zu machen und plädiert dafür, zum 20. Jahrestag des Mauerfalls auch die Mauern in den Köpfen endgültig zu beseitigen und sich nicht von Miesmachern den Mauerfall und die Wiedervereinigung schlecht reden zu lassen - denn eine alternativ verlaufende Geschichte wäre dem Frieden und der Eineit Deutschlands und Europas sicherlich nicht dienlich gewesen. Unter anderen Umständen würden wir uns heute vielleicht mitten in einem neuen Weltkrieg befinden.
Das Einzige, was ich an dem Buch etwas schade fand, ist die Tatsache, dass es keinen umfassenden Überblick über die Geschichte dieses "Jahres der Deutschen" liefert, wie der Titel suggeriert, sondern sich auf 10 wichtige Punkte beschränkt. Dadurch entstehen zwangsläfig viele Lücken. Ich halte den Titel deshalb für nicht ganz passend. "Glücksfälle der Wiedervereinigung" würde den Inhalt treffender beschreiben.