Erving Goffman ist ein Klassiker unter den etlichen Soziologen, die die Welt bevölkern. Goffmans Theoriekomplex zählt zu den dramaturgischen Ansätzen, und er selbst wird dem Symbolischen Interaktionismus zugeordnet (was meine Meinung nach nicht ganz stimmig ist, weil der Symbolische Interaktionismus eher die Symbolik, Goffman eher die alltägliche Selbstdarstellung im Fokus hat). Goffman zählt zu den Klassikern der interpretativ-qualitativen Soziologie. Im Kern geht es in seinem Werk darum, dass die Menschen durch ihr Alltagshandeln die Realität erst erschaffen. Die Welt ist also nicht einfach bloss "da", sondern sie wird gerade erst durch die menschlichen Handlungen, die auch die Kultur erschaffen, erzeugt. In dem ich mir vor jeder Tramfahrt ein Billett kaufe, erzeuge ich die Realität zwangsläufig mit. Durch die Handlungen wird die Lebenswelt produziert und reproduziert. Nun untersucht Goffman in diesem Werk genau dies: Er untersucht, wie sich Leute in der Strassenbahn oder auf dem Trottoir verhalten. Das Buch liefert viele fundamentale Erkenntnisse, denn teilweise sind die Alltagshandlungen dermassen routiniert, dass sie uns gar nicht mehr bewusst sind. Sehr empfehlenswertes Buch! Nicht nur für Soziologen, sondern auch für Laien, die gerne die - zumeist unbewussten Strukturen unserer Alltagswelt ein wenig näher betrachten möchten. Fünf Sterne. Auf jeden Fall. Das Buch ist sehr spannend und humorvoll geschrieben. So wird es für jedermann lesbar!