"Ich will aber nicht Minister werden." David Groth hat allen Grund, stolz auf den Aufstieg vom Laufburschen zum Chefredakteur zu sein. Aber wieso sollte einer wie er Minister werden? Plötzlich fällt ihm vieles ein: seine Einblicke in die Kunst des Überlebens während des Krieges, eine maßlose Wette und die Chancen, die ihm der junge Staat bot. Erzählt "Die Aula" vom Aufbruch einer Generation in der frühen DDR, wird im "Impressum" eine ebenso bemerkenswerte und vergnügliche erste Bilanz gezogen.
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Hermann Kant wurde 1926 in Hamburg geboren. Er machte eine Lehre zum Elektriker. Im Zweiten Weltkreig war er Soldat, befand sich von 1945-49 in polnischer Kriegsgefangenschaft. Der Mitbegründer des Antifa-Komitees war im Arbeitslager Warschau und Lehrer an der Antifa-Zentralschule. Ab 1949 besuchte er die Arbeiter- und Bauern-Fakultät Greifswald und studierte von 1952 bis 1956 Germanistik in Berlin. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent und Redakteur. Er lebt seit 1962 als freier Schriftsteller in Berlin. Von 1978 bis 1989 war er Präsident des Schriftstellerverbandes der DDR.
"Ich will aber nicht Minister werden!" gehört zu den genialsten Anfangssätzen der neueren deutschen Literatur - allein dieser Satz, dessen Echo im inneren Ohr des DDR-Lesers ewig nachhallte, legitimiert Kants zweiten Roman. Doch leider hält er nicht, was das große Eingangswort verspricht. Dass Hermann Kant ein Erzähler von Rang ist, bleibt unbestritten, gemessen an der eigenen Vorgabe, der "Aula", die wie eine Bombe in die ostdeutsche Literatur einschlug und sie sowohl sprachlich als auch kompositorisch auf ein ganz neues Niveau hob, gemessen an diesem Anspruch muss "Das Impressum" als not impressive gelten. Denn Kant übertreibt es einerseits, die Fabulierkunst verliert sich zu häufig in Gerede um des Geredes willen, um nicht von Geschwätzigkeit zu sprechen, die exemplarischen ethischen und psychologischen Problemstellungen, mit denen der Leser konfrontiert wird und die ihn zur Diskussion, zur Stellungnahme zwingen sollten, sind selbst für den damaligen DDR-Alltag zu weit von der tatsächlichen Lebenswelt entfernt und im Übrigen sprachlich als auch historisch-philosophisch viel zu hoch angesetzt, um den Ottonormalbürger, den Arbeiter-und-Bauern mithin, zu erreichen. Die Enkodierungsschwelle ist so hoch, dass man sich kaum vorstellen kann, wie ein Leser jüngerer bundesrepublikanischer Generation sie ohne ausgiebige Vorabstudien überwinden können sollte. Zum andern unterbietet Kant sein eigenes Potential; so stellt sich nie der Eindruck eines in sich geschlossenen Romans ein. Eher handelt es sich um eine Novellensammlung, in der autobiografische und realhistorische Situationen mit gleicher Personage wiedergegeben werden.... Die individuelle Zeichnung misslingt vielerorts: Wenn der Pförtner dieselbe elevierte Sprache spricht wie der russische General, der Katholik oder der Chefredakteur, dann verwischen sich höchst unzulässig die Konturen. Das alles stimmt auch vor der einstigen DDR-Realität schon nicht und eine Apologie des Ostens hatten andere Brachiallautoren der Bitterfelder Schule bereits stimmiger vorgetragen. Kant schreibt noch nicht mal einen misslungenen Sozialistischen Realismus, sein Werk sollte als Sozialistischer Irrealismus gelten. Selbst der grandiose Eingangssatz bleibt Ornament, weil sich seine angedeutete Klammerfunktion als optische Täuschung entpuppt; weder als Widerstandsgeste noch als Leitfaden behält er Bedeutung. Die Frage, ob man im sozialistischen Staate auch nicht Minister werden könne, bleibt bezeichnenderweise offen. Das ändert freilich nichts am unglaublichen sprachlichen Reichtum seiner Schreibe und auch heute wird der langmütige Leser in dieses Buch wie ein Perlenfischer eintauchen können.Lesen Sie weiter... ›