Bei der Hörbuchfassung vom Imperium der Wölfe kann ich mich meinen Vorrezensenten nicht ganz anschließen. Ich gebe ihnen recht, dass Der Flug der Störche und Die Purpurnen Flüsse in den entsprechenden Hörbuchversionen extrem gut gelungen sind, aber Das Imperium der Wölfe liegt in meiner Bewertung noch eine Nasenspitze davor. Das liegt vor allem an der Story. Verliert sich Grange manchmal in unglaubhaften, phantastischen Spielereien und verlässt dabei die Pfade von Motiv, Täter und Spur, so ist Das Imperium der Wölfe, rein vom kriminaltechnischen Standpunkt aus, für mich der beste Grange. Gerade und klar zieht der Autor seine Geschichte durch, lässt dabei Helden und Protagonisten rechts und links des Weges liegen und führt uns mit atemberaubender Stilsicherheit ans Ende der Geschichte.
Paul Nerteaux ist Ermittler bei der Pariser Polizei. Er soll die bestialischen Morde an drei türkischen Arbeiterinnen aufklären. Der Fall ist ein absolutes Rätsel und egal, was Nerteaux auch anstellt, er kommt mit seinen Ermittlungen nicht von der Stelle. Letztendlich kann er nur den, inzwischen im Ruhestand befindlichen, Schiffer mit ins Boot holen. Schiffer kennt sich aus im Türkenviertel, ist mit allen Wassern gewaschen, aber leider auch eine tickende Zeitbombe. Das ungleiche Paar macht sich auf den Weg und kommt einer phantastischen Geschichte auf die Spur. Dabei merkt Nerteaux schnell, dass er Schiffer nicht rüchhaltlos trauen kann.
Gleichzeitig verfolgen wir Anna Heymes, die Ehefrau eines erfolgreichen Pariser Polizeibeamten. Anna kommt mit ihrem Leben nicht mehr klar. Sie hat Aussetzer, die immer schlimmer werden. Sie erkennt Gesichter von Bekannten nicht mehr und fühlt sich fremden Menschen urplötzlich vertraut. Alpträume suchen sie heim und die Behandlung durch einen Psychiater bringt sie ebenfalls nicht weiter. In ihrer Not wendete sich Anna an eine Therapeutin und muss feststellen, dass sie nicht die Frau ist, die sie zu glauben scheint.
Wie Grange diese beiden Handlungsstränge zusammenbringt, dazu sage ich nur: Chapeu! Das hat Klasse und lässt sich wahnsinnig gut anhören. Joachim Kerzel brilliert in der Lesung. Zum wiederholten Male muss man feststellen, dass Kerzel und Grange einfach gut zusammenpassen. Also, wenn sie gute Krimis mögen, Handlungslöcher und Firlefanz nicht unbedingt brauchen, sich aber trotzdem fantastisch gut unterhalten lassen wollen, dann greifen sie zu. Sie werden nicht enttäuscht sein. Weder von Grange, noch vom Roman und schon gar nicht von Joachim Kerzels Stimme.