1986 wurde die bovine spongiforme Enzephalopathie, kurz BSE, zum ersten Mal bei britischen Rindern nachgewiesen. Jeremy Rifkin, Vorsitzender der amerikanischen Verbraucher- und Umweltschutzorganisation „Foundatation on Economic Trends“, forderte 1993 die US-Ernährungsbehörde auf, die Verfütterung von Rindfleisch- und Schafproteinen an Rinder zu verbieten, um eine massenhafte Infizierung zu verhindern. Es dauerte vier Jahre, bis die Food and Drug Administration seine Forderungen umsetzte. Die amerikanische Behörde ist nicht die einzige, die die Bedrohung des Rinderwahnsinns unterschätzt hat. Erst heute ergreift Europa drastische, teils umstrittene Maßnahmen, um der Ausbreitung von BSE entgegenzutreten.
Mit der amerikanischen Originalausgabe „Beyond the Beef. The Rise and Fall of the Cattle Culture“ legte Jeremy Rifkin bereits 1992 Ursachen und Folgen des gesellschaftlichen und industriellen Rinderwahnsinns offen. Er spannt einen Bogen von der mythologischen Verklärung des Rinderkultes bis zu den Auswirkungen der industrialisierten Rinderwirtschaft: Der engagierte Umweltschützer veranschaulicht den Zusammenhang zwischen der Wohlstands-Fleischübersättigung einerseits und der Hungersnot andererseits, beschreibt die globalen Umweltschäden durch den zunehmenden Bedarf an Weideflächen und untersucht den noch immer verbreiteten sozialen Status des Rinderverzehrs.
Das Rind zeigt sich als Cadillac unter den Weidetieren: Hohes gesellschaftliches Prestige, aufwendiger Unterhalt und ebenso so dramatische Nebenschäden. Die zusammengetragenen Erkenntnisse sind im Einzelnen bekannt. Aufschlussreich ist ihre Bündelung, die verdeutlicht: BSE ist kein unerklärliches Phänomen, sondern die systemimmanente Spitze eines Eisbergs.
In der zum BSE-Skandal neu aufgelegten deutschsprachigen Ausgabe geht Rifkin im Vorwort auf die aktuelle Situation in Europa ein. Die umfassend recherchierten Fakten hat er seit der ersten Auflage zwar nicht aktualisiert, aber sie haben größtenteils nichts an Aussagekraft verloren. Bei entscheidenden Fragen – beispielsweise das Ausmaß des Fleischkonsums – wären neue Zahlen jedoch angemessen.