>Wenn eine grüne Spitzenpolitikerin in dieser Zeit ein Buch schreibt, erwartet man neue Einblicke in die aktuelle Politik.<
Diese Erwartungen werden aber von keinem Politiker erfüllt, der kurz nach dem Ausscheiden ein Buch schreibt, insofern sind die Erwartungen schon vor der Lektüre nicht sehr hoch. Aber bei Radcke mußte ich feststellen, daß Sie doch einige Einblicke gewährt: so schreibt Sie, daß Fischer ständig mit Rücktritt droht, wenn ihm innerparteilich was nicht paßt, sie schildert die Gründe, warum Sie mit Röstel nicht harmonierte u.ä. Und Sie sieht ihre Schwächen: trotz politischer Erfahrungen aus Hamburg gibt Sie zu, daß Sie die Bonner und Berliner Umgangsformen überrascht haben, weil diese noch eine Dimension größer waren.
Sie erklärt, wie Sie die Macht der Medien falsch eingeschätzt hat, wie mit den grünen Sprecherinnen grundsätzlich umgegangen wurde: von den Entscheidungen wurden sie durch die Herren ferngehalten, später waren es aber sie, die deren oftmals strittige Politik an die Basis und die Öffentlichkeit verkaufen mußten - und wenns geht noch als großen Erfolg.
Nachdem ich das Buch von Lafontaine gelesen habe (was auch relativ kurz nach dem Ausscheiden geschrieben wurde), weiß ich, was unglaubwürdiges, selbstbemitleidendes und vor allem besserwisserisches Widergeben von Gewesenem ist - und vergleicht man das mit Radcke, muß man sagen: es gibt doch noch Politiker, die nach ihrem Rücktritt einigermaßen gelassen zurückblicken können! Und da das so selten ist und daher schon eine Auszeichnung verdient - die fünf Sterne!