Dem Titel "Das Hotel" hätte man auch getrost noch schnell zwei Wörter, in Form eines Untertitels, hinzufügen können, denn "bestialisches Abschlachten" würde zumindest punktgenau und explizierter darauf hinweisen, was die Leser in diesem Roman erwartet.
"Das Hotel" ist ein Horrorroman, der in Sachen Abartigkeit und Grausamkeit seines Gleichen sucht. Es ist der pure Splatter/Gore, bei dem einem die Fleischfetzen nur so um die Ohren fliegen, das Blut eimerweise aus allen aufgerissenen Körperöffnungen fließt und es alles um einen herum in einen tiefroten See des Todes verwandelt. Es wird geköpft, ausgeweidet, amputiert und zwischen stinkenden Leichenbergen hindurch gewartet, bei denen die Fliegen schon lange das Kommando inne haben. Einfach gesagt, es ist eine beispiellose Aneinanderreihung bestialischer Grausamkeiten. "Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte dieses Buch unter keinen Umständen lesen, denn der Mageninhalt fällt einem schneller aus dem Gesicht, wie er den Weg ins Innere gefunden hat." Im Vergleich dazu lesen sich Richard Laymons Romane wie Kinderbücher, die auch ohne Sorge bei einem Kaffeekränzchen im Seniorenstift vorgetragen werden können, ohne dass die Pumpe einen zusätzlichen Schlag macht, oder die Dritten im Stollen hängen bleiben.
Wer auf dieses relativ weit unten angesiedelte Niveau steht (natürlich möchte ich keinem Leser mit dieser Aussage zu nahe treten), der wird hier bestens bedient, denn Jack Kilborn weiß genau, was seine Leser wollen. Mit den kurzen Sätzen, der Einfachheit in seiner Sprache, lässt er die Story wie ein Hagelschauer auf einen herab prasseln - ein Dauerbeschuss ohne absehbares Ende. Erholungsphasen sind hier absolut Fehlanzeige, und das ist auch gut so - denn wer will schon Langeweile in einem Horrorschocker. Zeitgleich legt "Das Hotel" eine recht hohe Spannung und ein sehr hohes Tempo aufs Parkett, und das alles zusammen macht diesen Roman so einzigartig. Die Unterhaltung kommt auf eine bizarre, abartige Art und Weise jedenfalls nicht zu kurz, und man kann das Buch trotz allem nicht aus der Hand legen, pervers - aber leider wahr.
Auch wenn ich doch mehr der Fan des subtilen Horrors bin, meine persönliche Meinung aber mal ganz außen vor gelassen, ist "Das Hotel" eine Horrorroman, der die Horror-Fan-Herzen höher schlagen lässt, und den man sich unter keinen Umständen entgehen lassen darf. Dieser Roman gehört in die Regale derer, die süchtig nach derart extremer Unterhaltung sind.
Was mich doch wirklich wundert ist, dass dieser Roman so mir nichts dir nichts vom Heyne Verlag veröffentlicht wurde. Ich hätte darauf wetten können, dass er entweder über Heyne Hardcore läuft, oder er dem Verlag gänzlich zu hart wäre, und er ihn nicht auf den Markt gebracht hätte.
Zur Story: Der jährliche Ironwoman in West Virginia ist das Highlight schlechthin, das sich keine Leistungssportlerin entgehen lassen will. So auch Florenz, ihre Tochter Letti und dessen Großkind Kelly, und nicht zu vergessen Deb, die auf tragische Weise vor ein paar Jahren, nicht allzu weit entfernt, beim Klettern ihre beiden Beine verlor. Mit von der Partie ist auch Mal, ein Reporter, der einen Bericht über die Sportler schreiben soll. Unglücklicherweise ist ihr eigentlich angedachtes Hotel völlig überfüllt, und so werden sie - natürlich kostenlos - in ein anderes Hotel verfrachtet, in das "Rushmore Inn". Schon die Anreise gestaltet sich als schwierig, denn das Hotel ist auf keiner Karte eingezeichnet. Als nach und nach alle Umquartierten, mehr schlecht als recht das Hotel erreichen, beginnt auch schon das Grauen. Nicht nur der erbärmlich süße Gestank - der zu dem Hotel dazuzugehören scheint wie ein Schweißfuß nach einem Marathonlauf - erwartet die Gäste, sondern auch rein optisch wirkt es wie es riecht. Der eigentliche Alptraum beginnt aber erst als sie ihre Zimmer beziehen, und sie das Gefühl beschleicht, sie seien nicht allein in Ihren Räumen....doch niemand ist zu sehen, aber sie sind da und sehen alles.