Pressestimmen
"Irrsinnig komisch, meisterhaft erzählt, bezaubernd; als ob die Brüder Grimm und die Marx Brothers beschlossen hätten, gemeinsam einen draufzumachen." (The New York Times)
"Nur hierzulande will dieser wüste, zwerchfellerschütternde 600-Seiten-Roman voller Aberwitz und Verrücktheiten, grotesker Sexszenen und schwüler Gefühlsburlesken, dieser raffinierte, artifizielle Ver- und Entwicklungsroman auf keinem vorderen Hitlistenplatz landen - meiner Meinung nach völlig unerklärlich, insbesondere, wenn man sieht, wer bei uns die Sellerlisten anführt ..." (Lui Deutschland)
"John Irving hat in seinem Roman eine eigene Ausdrucksform gefunden, die in einer merkwürdigen Schwebe zwischen den verschiedensten Elementen vom Märchen bis zum Slapstick, von Literatur bis Pop das Realistische verfremdet und stets neue erzählerische Überraschungsmomente präsentiert." (Frankfurter Allgemeine Zeitung)
"Eine üppig wuchernde Phantasie treibt skurrile Blüten, ein ausuferndes Bilderbuch, wild fabulierend und von köstlicher Ironie durchsetzt." (Der Tagesspiegel)
Kurzbeschreibung
In ihrer jugendlichen Unbekümmertheit beschließen sie, ein eigenes Hotel zu eröffnen. Freud, der nach Österreich zurückkehrt, überlässt den beiden Träumern seinen Tanzbär als Glücksbringer. Doch es kommt anders als geplant. Immer wieder stehen die beiden neuen Hindernissen gegenüber. Selbst ein Versuch, in Österreich als Hoteliers Fuß zu fassen, steht unter keinem guten Stern. Schließlich kommen sie doch noch zu Geld und Wohlstand, allerdings auf ganz anderen Wegen.
Irvings "Hotel New Hamphire" (1981) ist ein absurder, komischer und manchmal melancholischer Familienroman, der vom großen amerikanischen Traum und seinem Scheitern erzählt und von Menschen, die trotz allem auf das Träumen nicht verzichten wollen.
Klappentext
Das Hotel New Hampshire
Eine gefühlvolle Familiengeschichte, in der motorradfahrende und feministische Bären, weiße Vergewaltiger und schwarze Rächer, ein Wiener Hotel voller Huren und Anarchisten, ein Familienhund mit Flatulenz im Endstadium, Arthur Schnitzler, Moby-Dick, der große Gatsby, Gewichtheber, Geschwisterliebe und Freud vorkommen - nicht der Freud, sondern Freud der Bärenführer.
»Eine üppig wuchernde Phantasie treibt skurrile Blüten, ein ausuferndes Bilderbuch, wild fabulierend und von köstlicher Ironie durchsetzt.« Otto F Beerl Tagesspiegel, Berlin
»Irrsinnig komisch, meisterhaft erzählt, bezaubernd; als ob die Brüder Grimm und die Marx Brothers beschlossen hätten, gemeinsam einen draufzumachen. « John Leonardl The New York Times
»John Irving hat in seinem fünften Roman eine eigene Ausdrucksform gefunden, die, in einer merkwürdigen Schwebe zwischen den verschiedensten Elementen vom Märchen bis zum Slapstick, von Literatur bis Pop das Realistische verfremdet und stets neue erzählerische Überraschungsmomente präsentiert. Gerhard Beckmannl Frankfurter Allgemeine -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Sondereinband .
Über den Autor
1978 gelang ihm mit "Garp und wie er die Welt sah" der Durchbruch als Autor. Romane wie "Hotel New Hamphire" und "Owen Meany" festigten seinen Ruf als Erzähler, der den Leser mit spannenden Handlungssträngen, lebhaften Schilderungen und makaberem Humor zu fesseln versteht. Zuletzt wurde sein Roman "Gottes Werk und Teufels Beitrag" mit Michael Caine und Toby Maguire in den Hauptrollen verfilmt (1999).
Auszug aus Das Hotel New Hampshire. SZ-Bibliothek Band 10 von John Irving, Hans Hermann. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
In jenem Sommer, als mein Vater den Bären kaufte, war noch
keiner von uns auf der Welt - wir waren noch nicht mal gezeugt:
weder Frank, der älteste, noch Franny, die lauteste, noch
ich, der nächste, noch die jüngsten von uns, Lilly und Egg.
Mein Vater und meine Mutter kannten sich von klein auf und
waren praktisch miteinander groß geworden, doch ihre "eheliche
Vereinigung", wie Frank das immer nannte, hatte damals,
als Vater den Bären kaufte, noch nicht stattgefunden.
"Ihre eheliche Vereinigung, Frank?", triezte ihn Franny
gern; Frank war zwar der Älteste, aber mir kam er jünger vor
als Franny und sie behandelte ihn immer wie ein kleines Kind.
"Du meinst doch Frank", sagte Franny, "daß sie noch nicht
angefangen hatten mit vögeln."
"Sie hatten ihr Verhältnis noch nicht vollzogen", sagte Lilly
einmal; obwohl sie, abgesehen von Egg, jünger war als wir
anderen, spielte sich Lilly immer als die große Schwester von
allen auf - sehr zum Ärger Frannys.
"Vollzogen?", sagte Franny. Ich weiß nicht mehr, wie
alt Franny damals war, aber Egg war für solche Sprüche bestimmt
noch zu jung: "Den Sex haben Vater und Mutter doch
erst ent deckt, nachdem der alte Herr diesen Bären gekauft
hatte", sagte Franny. "Der Bär brachte sie auf die Idee - ein
richtig ordinärer, geiler Bock, der dauernd Bäume besprang
und an sich selber rumfummelte und versuchte, Hunde zu
vergewaltigen."
"Er hat hin und wieder einen Hund rauh angefaßt", sagte
Frank angewidert. "Er hat nie Hunde vergewaltigt."
"Er hat es versucht", sagte Franny. "Du kennst doch die
Geschichte."
"Vaters Geschichte", sagte daraufhin Lilly, die auf etwas
andere Art angewidert war als Frank; es war Franny, die
Frank anwiderte, doch Lilly fand Vater widerlich.
Und so liegt es nun an mir, dem mittleren und am wenigsten
voreingenommenen von uns Kindern, die Tatsachen ins
rechte - oder fast rechte - Licht zu rücken. Wir waren eine
Familie, deren Lieblingsgeschichte die Romanze zwischen
meiner Mutter und meinem Vater war: wie Vater den Bären
kaufte, wie Mutter und Vater sich verliebten und in rascher
Folge Frank, Franny und mich zeugten ("Peng, Peng, Peng!"
sagt Franny gern), und wie sie dann, nach einer kurzen Verschnaufpause,
noch Lilly und Egg ("Blup und Pfft", sagt Franny) in die Welt setzten.
Die Geschichte, die wir als Kinder zu hören bekamen und die
wir uns in den Jahren danach immer wieder von neuem erzählten,
scheint sich auf die Jahre zu konzentrieren, von denen wir selber
nichts wissen konnten und die wir heute nur so sehen können,
wie unsere Eltern sie in ihren vielen Versionen schilderten.
Ich glaube, ich sehe meine Eltern klarer in diesen früheren Jahren
als in den Jahren, an die ich mich tatsächlich erinnern kann, denn
natürlich sind die Zeiten, die ich selbst erlebte, dadurch gefärbt,
daß es Auf -und-Ab-Zeiten waren, über die ich Auf-und-Ab-
Meinungen habe. Wenn ich aber an den berühmten Sommer
des Bären und an den Zauber der ersten Liebe meiner Mutter
und meines Vaters denke, dann kann ich mir da einen eindeutigeren
Standpunkt erlauben.
Wenn sich Vater beim Erzählen der Geschichte verhaspelte -
sei es, daß er einer früheren Version widersprach, sei es,
daß er unsere Lieblingsstellen ausließ -, zeterten wir wie wütende
Vögel.
"Entweder lügst du jetzt oder du hast beim letzten Mal gelogen",
warf Franny (immer die Strengste von uns) ihm vor,
doch Vater schüttelte nur unschuldig den Kopf.
"Versteht ihr denn nicht?", fragte er uns dann. "In eurer Vorstellung
ist die Geschichte lebendiger als in meiner Erinnerung."
"Lauf, hol Mutter", wies Franny mich dann an und
schubste mich von der Couch. Oder Frank hob Lilly von seinem
Schoß und flüsterte ihr ins Ohr: "Lauf, hol Mutter."