Ich habe das Buch erst einmal gelesen und das recht zügig, denn ich befand mich auf einer ziemlich langen Zugfahrt. Ich werde es aber sicherlich noch ein (?) weiteres Mal lesen. Denn das Buch ist - wie die meisten Bücher Lems - zu komplex, um es beim ersten Lesen vollends verstehen zu können.
Die Geschichte: Im Polen der 40er Jahre nimmt der frischgebackene Arzt Stefan eine Stelle in einem Sanatorium an. Hier wird er, aus der „normalen" Alltagswelt in die abgekapselte und ganz eigene Welt des Sanatoriums geführt, mit sehr unterschiedlichen und meist extremen Menschentypen konfrontiert. Diese Charaktere (= in der Hauptsache die anderen Ärzte) entwickeln im Laufe der Geschichte Tiefe und verfestigen sich so zu dreidimensionalen Figuren. Allerdings mischen sich in die Charakterstudie zunehmend Vorboten des menschenverachtenden Wahnsinns, in dem die Geschichte letztlich kumuliert: der Besetzung des Sanatoriums durch SS-Truppen sowie der Liquidation sämtlicher Patienten. Erst in einer solch extremen Situation, im Einbruch der Außenwelt in die des Sanatoriums, zeigt sich Bewährung und Fall der bisher (wegen der Abgeschlossenheit des Sanatoriumslebens) nur abstrakt und in ihrem Grundgedanken vorgestellten Charaktere.
Fazit: Lems erster Roman ist ein hochinteressantes Buch, dessen abrupte Auflösung ob seiner Kürze umso bestürzender wirkt und über das sich das Nachdenken allemal lohnt.