Ich möchte vorwegschicken, dass ich, seit ich das erste Mal zufällig im WDR den Konzert-Mitschnitt eines gewissen Rainald Grebe gesehen habe, Grebe für einen der besten Liedermacher/Kabarettisten/Sänger (ja was ist er denn eigentlich) halte, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Seine Konzerte sind grandios, seine Beobachtungsgabe und was er daraus macht schwer zu übertreffen. Trotzdem, das Hongkong-Konzert hat mich doch etwas ins Grübeln darüber kommen lassen, wie lange jemand ein dermaßen hohes Niveau halten kann ohne sich selbst zu kopieren (und damit dieses Niveau zwangsläufig zu verlassen).
Gut, es gibt auf dieser CD die üblichen Stellen, wo man vor Lachen fast auf dem Boden liegt oder sich fragt, ob man etwas noch treffender ausdrücken könne (...mein Teppich der kann fliegen...). Trotzdem schleicht sich schon beim ersten Hören recht schnell das Gefühl ein, dies alles schon mal gehört zu haben, und zwar (und das ist das andere Problem) teilweise deutlich besser. "Der Kandidat" ist "Der Präsident" auf Lokalpolitik-Niveau (im wahrsten Sinne des Wortes), "Silvester" die für meine Begriffe (deutlich) schwächere Version von "Die Fete" und "Ballermann" ist zumindest vom Konzept her die neuzeitliche Variante von "Volksmusik"... alles immer noch gut, aber alles schon mal da gewesen. Und der Anfang... bösartige Zuhörer könnten jetzt behaupten, dass offensichtlich nicht genug eigenes Material vorhanden gewesen ist, um eine ganze CD zu füllen. Und da Herr Grebe mittlerweile weiss, wie er seine Lacher bekommt, kann er auch irgendwelche Lagerfeuer-Klassiker nachsingen oder aus unerfindlichen Gründen über Matthias Reim herfallen. Wie gesagt, bösartig, aber trotzdem... hmm. Ja, ich weiss das praktisch alles eine Wiederholung von etwas schon mal da gewesenem ist, aber hier fällt es auf, und das macht den Unterschied. Und damit meine ich nicht nur die oben genannten Lieder, sondern praktisch alles, was auf der CD ist. Es tut mir wirklich leid, aber das generelle Niveau dieser CD ist einfach deutlich unter dem aller seiner vorherigen.
Gut, "Fußgängerzonen" und "Der Billiardär" sind Spitze, und die ganze CD ist sehr unterhaltsam, aber (leider, leider) viel mehr auch nicht. Ja, wenn man live dabei ist, dann ist alles viel besser, aber auf einer CD ist man das halt nicht, da kann man nur genießen (und bewerten), was man hört. Und ich habe gehört, dass Herr Grebe entweder altes Material "recycelt" hat, oder sich kurz vor dem Ende einer langen Sackgasse befindet, aus der er mit Bordmitteln nur schwer wieder herauskommen wird. Es gibt eine Pseudo-Rahmenhandlung (hier ist es das Hotel, auf anderen CDs war es die Insel oder das Lagerfeuer), die als solche nicht wirklich zu erkennen ist, weil die meisten Lieder/Beiträge nichts mit ihr zu tun haben. Es werden Banalitäten durch den Kakao gezogen, in dem man sie mit seltsamer Betonung nachsingt. Und es werden Witze gemacht, die auch bei einer Karnevalssitzung durchgehen würden. Aber da das jemand wie Grebe macht, ist es natürlich ironische Kulturkritik, oder wie immer man das nennen mag, und dann geht es mit 5 Sternen durch.
Und mittendrin... ja mittendrin sind Stellen (oder manchmal ganze Lieder), da dankt man Gott, das dieser Mann zum Sänger geworden ist, damit man sich nicht mehr wie der Einzige fühlt, der mit vielen Sachen nur noch durch verstärkten Einsatz von Humor klarkommt. Und deshalb bereue ich es auch nicht, dass ich die CD gekauft habe... ich bin nur etwas enttäuscht, und ich bin froh, dass sie nicht die erste von ihm ist, die ich kenne, sonst hätte ich ihn vielleicht keine zweite Chance gegeben und wäre niemals in eins seiner Konzerte gegangen, und das wäre nun wirklich schade.
Wirklich nur 3 Sterne für den Meister? Es tut mir in der Seele weh, aber der Unterschied zu 5 Sterne Produkten wie zum Beispiel dem Robinson-Konzert oder 1968 ist für mich dann doch zu groß.