Inhalt:
Das Hexenkreuz ist der zweite Band der Seelenfischer-Trilogie. Doch während "Die Seelenfischer" in der Gegenwart stattfinden entführt uns "Das Hexenkreuz" hinein in das Italien um 1767.
Die Geschichte beginnt mit einer Prophezeihung über deren Inhalt man als Leser zunächst im Unklaren bleibt. Doch eines ist dennoch klar, diese Prophezeihung scheint in Zusammenhang mit den Vorgängen der katholischen Kirche zu stehen. Und letztere sieht sich Zeiten gegenüber die alles andere als rosig zu sein scheinen, vor allem ihr größter Orden... der Jesuitenorden ...wankt erheblich.
Für Emilia di Stefano spielen sich diese Probleme, auch wenn ihr geliebter Zwillingsbruder Emanuele Jesuitenpater ist, weit entfernt von allem ab was sie betrifft. Und vor allem sind diese Probleme im Vergleich zu ihren eigenen ziemlich gering. Denn Emilia soll heiraten. Doch nicht etwa aus Liebe, wie es einst ihre Eltern getan hatten, sondern aus Geldnot. Geldnot die ausgelöst wurde durch das mangelnde Geschick und die Prahlsucht ihres älteren Bruders. Ihr zukünftiger Gemahl soll der Herzog von Pescara werden, unfassbar reich und gutaussehend zudem. Doch noch anders erzählt man sich über ihn und seine Mutter, dunkles und düsteres wie Emilia bald erfahren soll.
Emilia ist ein Freigeist und neben atemberaubender Schönheit vor allem mit einem ausgezeichnet, einem eigenen Willen. Und einem Körper der bereit ist diesen auszuführen. Egal wie abstrus oder unausgereift ihre Pläne auch sein müssen. Sich "verkaufen" zu lassen und mit einem Mann die Ehe zu vollziehenfür den sie keine Gefühle hegt kommt für sie nicht in Frage. So macht sich Emilia gemeinsam mit ihrer besten Freundin Serafina, klammheimlich auf den Weg nach Rom. Um es genauer zu sagen, sie flieht. Doch Rom soll nicht das Ende ihrer Reise sein, hier erhoffen sich die beiden Frauen die Hilfe Emanuels und eine Fahrkarte zum neuen Kontinent, Amerika.
Das die Reise durch's halbe Land (als Männer verkleidet) nicht leicht werden würde, war den beiden Frauen (...allen voran jedoch Serafina die immer den Überblick behält...) klar, doch dabei hatten sie die Rechnung ohne den Herzog von Pescara gemacht. Dieser schickt seine Reiter durch das ganze Land und lässt die beiden suchen. Doch geht es dabei tatsächlich nur um verletzten Stolz und den Versuch der Schmach zu entgehen von einer Frau abgelehnt worden zu sein, oder steckt mehr dahinter?
Je näher die beiden Rom kommen um so schwieriger wird ihre Reise. Diese ist geprägt von dunklen Nächten, von Gefahren vor denen sie fliehen und von bösen Geistern die sie bekämpfen müssen. Doch sie lernen auch Menschen kennen die auf ihrer Seite stehen. Die ihnen helfen und die dem Leser an's Herz wachsen. So zum Beispiel ein "Zigeuner-König" der in Emilia etwas entfacht von dem sie vorher nicht wusste das es in ihr steckt. Leidenschaft und Lust.
Während Serafina und Emilia in Rom eintreffen, wo sie sich vor dem Herzog in Sicherheit wägen, hat dieser bereits seine Spitzel und Späher auch in den Straßen der heiligen Stadt positioniert. Schon bei der ersten Begegnug mit Emilias Zwilling Emanuel wird den beiden Frauen klar, dass auch hier etwas nicht in Ordnung zu sein scheint. Und Tage später, bei einem Freund des Jesuitenpaters versteckt, soll sich ihnen die ganze Tragweite der arrangierte Verlobung erklären. Es geht nicht nur um Emilia. Es geht um die Kirche, es geht um Politik, um Geld und es geht um Macht. Viel Macht.
Während alle noch beschäftigt sind den Plan um Emilias Flucht aus Italien auszufeilen, kommt ihnen der Herzog zuvor. Er entführt Emilia und "zwingt" sie mit Hilfe seiner Mutter, der Oberin des Sol Invictus Kultes, dazu die Ehe mit ihm einzugehen. Doch nicht nur die Mittel ihrer Schwiegermutter zwingen Emilia in die Knie, auch ihre eigene Lust schlägt ihr ein um's andere Mal ein Schnippchen. Und obwohl sie ihren Mann von ganzem Herzen hasst, verfällt sie ihm mehr als einmal wenn er die Hüllen fallen lässt.
Über viele Umwege und noch mehr Abenteuer erschließt sich Emilia nach und nach der Plan der Schwiegermutter und sie erfährt außerdem, was es mit der Prophezeihung zu tun hat, die bei ihrer Geburt gemacht wurde.
Was folgt ist eine gelungene Mischung aus Intrigen, überraschenden Wendungen, Liebe und Freundschaft, Umwegen und Gradlinigkeiten die die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht erhält.
Gerne hätte ich mehr geschrieben über das was kommt, aber ich habe bei der Rezension zu den Seelenfischern ja gesagt bekommen ich wäre zu detailliert und würde die Spannung klauen. Und dieses Buch, oder vielmehr seine Leser sollen ruhig die gleichen Spannungsbögen aushalten müssen wie ich.
Meinung:
Da ich weiß, dass die Autorin dieses Buches die Rezensionen alle liest würde ich gern wiederholen was ich bereits schonmal zu ihr gesagt habe "Hanni...was soll ich sagen?!".
Diesem Buch gerecht zu werden finde ich schwierig. Denn ich habe nur 'eine' Meinung. Dieses Buch aber hundert Gesichter. Oder vielmehr hundert Geschichten.
Es ist anders als die Seelenfischer, obwohl es sich um eine Trilogie handelt. Schon allein der Unterschied in der Zeit macht dies wohl jedem klar. Und doch habe ich das ganze nicht als Bruch empfunden. Im Gegenteil, dieser Sprung macht es noch spannender. Es gibt viele Parallelen zwischen beiden Bänden. Wieder eine Frau die mehr weiß als ihr gut täte und die für ihren Geschmack trotzdem nicht genug Wissen haben kann. Eine Liebe die da ist, aber nicht da sein sollte. Papiere die eigentlich öffentlich sein sollten, aber besser versteckt wurden als das größte Staatsgeheimnis. Und ein Jesuitenorden der treue Mitglieder hat und doch mit einem Bein im Grabe steht.
Aber trotz dieser Parallelen ist es eine eigenständige Geschichte. Nichts was Hanni Münzer schreibt ist vorhersehbar. Der Ausgang des Buches auf keiner Seite zu ahnen. Es gibt unzählige Spannungsbögen und zwischendurch nur kurze Verschnaufpausen. Diese jedoch sind gespickt mit liebevollen und detaillierten Ortsbeschreibungen die jedem Leser das Fernfeh in die Seele hauchen. Hat man Italien bis dahin gemocht, danach wird man es lieben.
Zu den wirklich schönen Ortsbeschreibungen, kommen ganz besondere Figuren. Die ein oder andere hat sich bereits nach zwei Sätzen in mein Herz geschlichen. Und dabei meine ich nicht die Protagonisten, sondern Figuren die eigentlich nur Nebenrollen spielen. Einen Charakter der ein ganzes Buch dominiert so zu zeichnen, dass der Leser ihn mag ist nicht schwer. Aber einem Randpersonen ins Herz zu schreiben gelingt nicht oft. Dafür von mir ein Kompliment.
Doch im Hexenkreuz finden sich nur nur Sympathieträger, sondern auch Halunken und Bösewichte. Es gibt Szenen wo sich einem der Magen zusammen zieht und man gebannt weiter liest. Erstens weil man nicht anders kann und zweitens weil man die Situation ganz schnell beendet wissen will.
In den Seelenfischern hatte ich noch bemängelt, dass manche Passagen.... gerade die in denen es um die Kirche und die Verschwörungen ging.... zu langatmig waren. Das ist hier nicht mehr der Fall. Es wird ausgeschweift wo es nötig ist, aber man wird nicht mit Informationen oder theoretischem überhäuft. So dass auch jemand der sich nicht unnötig lang mit der Kirche auseinander setzen will, gut durch die Seiten kommt. Man merkt, dass es das zweite Werk der Autorin ist. Das vieles mit mehr Bedacht geschrieben wurde, aber gleichzeitig nichts zerdacht wurde.
Es gibt so viele verschiedene Handlungsstränge, die aber gleichzeitig nie den Bezug zueinander verlieren. Es ist eine wirklich bemerkenswerte Leistung ist, dass keiner davon am Ende ungelöst bleibt. Und auch, dass man als Leser nicht den Überblick verliert oder das Gefühl hat die Geschichte schwimmt irgendwie im Nirgendwo.
Ich habe das Buch sehr aufmerksam gelesen und ich werde es sicher auch noch ein zweites Mal zur Hand nehmen. Ich kann nur sagen, dass ich froh bin mir letztes Jahr einen Kindle gekauft zu haben, obwohl ich mich anfangs sehr dagegen gesträubt habe. Aber ohne ihn hätte ich diese Reihe nicht entdeckt. Und die Seelenfischer-Trilogie...insbesondere aber "Das Hexenkreuz" haben diese Anschaffung absolut lohnenswert gemacht.
Ich finde was nicht unerwähnt bleiben sollte...auch wenn es natürlich nicht Sinn und Zweck einer Trilogie ist....aber dieses Buch ist auch für Leser, die "Die Seelenfischer" nicht gelesen haben problemlos zu verstehen. Ein Bonus-Punkt, denn es ist sicher nicht einfach Bücher zu schreiben die miteinander verwoben sind und trotzdem Einzelcharakter besitzen.
Abschließend....
Dieses Buch beherbergt wundervolle Passagen, einzigartige Charaktere, seltene Worte und kunstvolle Sätze. Es gibt Spannung und Erotik ein Zuhause und räumt Intrigen und Historischem Platz ein. Es fesselt und trägt einen dennoch durch die Seiten.
Vier Sterne von mir. Ja nur vier. Und ich habe lange darüber nachgedacht. Aber ich will mir nunmal Platz nach oben lassen für den dritten Teil. Ist das fies? Vielleicht ein bisschen. Aber jetzt schon alles zu geben, wäre als bräuchte es keinen dritten Teil mehr. Und ich will ihn haben. Dringend.