Connie, eine junge Havard-Studentin, sucht gerade nach einem Thema für ihre Dissertation und ist deshalb auf der Suche nach einer neuen, beeindruckenden Primärquelle, die ihren Weg auf der Karriereleiter nach oben um einiges einfacher machen würde. Beim Durchstöbern des Hauses ihrer Großmutter stößt sie auf den Namen einer Vorfahrin. Connie überschlägt sich beinahe vor Begeisterung, als die Vermutung, diese Dame könnte eine noch unentdeckte Hexe aus Salem sein, aufkommt. Bald wird ihr jedoch klar, dass sämtliche Nachfahren dieser Hexe nicht nur durch die Fähigkeit zur Hexerei miteinander verbunden sind, sondern auch einen Familienfluch geerbt haben. Die Zeit beginnt Connie davonzulaufen, während sie fieberhaft nach dem Hexenbuch sucht, mit dessen Hilfe sie die Chance hätte, dem Fluch zu entkommen. Magie mischt sich mit Wirklichkeit, die Parallelen zwischen allen weiblichen Nachkommen werden immer deutlicher und bald weiß nicht nur Connie nicht mehr, an was sie glauben soll und an was nicht.
Das Buch wartet mit einer beeindruckenden Mischung aus Historie, Magie und Realität, Mystik, Verschwörung, Verrat, Hass und Liebe auf. Zwei Geschichten verlaufen parallel in verschiedenen Zeiten und helfen den Lesern, die ja zum Großteil und anders als Connie selbst kein Geschichte studiert haben, zu begreifen, wie die Welt zur Zeit der Hexenverfolgungen von Salem aussah. Zugleich bringen diese Rückblicke zu Connies Vorfahren dem Leser auf lebendige Weise das nahe, was Connie selbst in stundenlanger Arbeit in Archiven und Bibliotheken heraussuchen muss. So sind Connie und der Leser immer auf dem gleichen Stand - allerdings hat der Leser dabei bedeutend mehr Spaß^^ Dieses Buch ist ein kleiner Krimi, in dem Leser und Connie darum wetteifern, wer ein Rätsel früher gelöst hat.
Von diesem Gesichtspunkt aus gesehen macht das Buch sicherlich vieles richtig. Aber es hat einen ganz gewaltigen Haken: Connie.
Diese junge Frau ist erstaunlich dämlich, dafür dass sie eine Harvard-Absolventin und aufgehender Stern am Wissenschaftshimmel sein soll.
Connie hat plötzlich einen Geistesblitz und der Leser denkt: "Super, jetzt sagt Connie bestimmt gleich etwas unheimlich Intelligentes", aber stattdessen sagt Connie etwas, das dem Leser schon fünf Seiten vorher klar war. Da liest sie zum Beispiel das Tagebuch einer Frau, die alle zwei Tage ein Kind auf die Welt bringt und versteht erst drei Seiten später, dass das eine Hebamme war. Das ist schon etwas deprimierend. Es mag ja schön für den Leser sein, das Gefühl zu haben, so klug zu sein wie der Protagonist, aber spannend ist es nicht.
Dazu kommt, dass Connie zwar als sanftmütiger, schüchterner Charakter eingeführt wird, aber irgendwie ist sie dauernd wütend und zickig. Ich les nicht sonderlich gerne Bücher, in denen der Hauptcharakter unsympathisch ist. Dass ich dennoch bis zum Ende gekommen bin und das Buch dann mit einem einigermaßen befriedigten Gefühl zugeklappt habe, liegt vor allem daran, dass es im Laufe der Geschichte gewaltig an Qualität gewinnt und die letzten zweihundert Seiten wirklich spannend sind - etwas, was man vom ersten Teil nicht behaupten kann.
Ich vergebe drei Sterne. Das Buch unterfordert den Leser an manchen Stellen - zum Beispiel, wenn er viel intelligenter ist, als die Harvard-Absolventin - und überfordert an anderen - ich hätte ja ganz gerne noch eine genauere Erklärung zu den Parallelen zwischen den einzelnen Frauen der Familie. Außerdem verläuft der ganze Prozess der Buchsuche doch etwas zu reibungslos. Irgendwie will da nicht so recht Spannung aufkommen. Aber wie gesagt: Die letzten 200 Seiten machen wirklich Spaß.
Insgesamt war das Buch ganz nett aber mehr auch nicht.