Habe das Buch quasi in einem Stück gelesen, was selten geschieht. Der Autor, ein polnischer Einwanderer, der anders als RR mit null Sprachkenntnissen in dieses Land kam und zu seiner Heimat machte, hat einen sehr flüssigen Schreibstil entwickelt. Integration kann also auch unproblematisch sein. Seine gelegentlichen ironisch-kritischen Betrachtungen urdeutscher Eigenheiten sind sehr erfrischend und humorvoll eingestreut.
Die Geschichte entwickelt sich offenbar autobiographisch. Da der Dadajsee (auch Titel seines ersten Romans) darin eine Rolle spielt, vermute ich, dass hier eine Art Fortsetzung vorliegt.
Die Kurzbeschreibung klingt dramatischer als es ist. Es geht um (zwei Urdeutsche), zu denen der Neudeutsche, Chopin, als letzter hinzugestoßen ist. Zu dritt bilden sie eine Vereinigung selbständig agierender Autohändler. Als Startkapital bringt der Expole Chopin - Namensvetter und Landsmann DES Chopins - vor allem seine Kenntnisse von Sprache und Mentalität osteuropäischer Länder ein, auf die sich der Handel überwiegend bezieht. Er übernimmt auch entgegen dem Klischee den moralischen Part, vor allem sich selbst gegenüber. Dass er von seinen Partner bei einem gemeinschaftlicher Großauftrag übers Ohr gehauen wird, lässt interne Konflikte (auch chauvinistischer Natur) eskalieren. Ort der Handlung ist übrigens Bremen, was dem Roman auch ein interessantes Lokalcholorit verleiht!
Kurzweil für fünf Sterne bietet das Werk allemal. Einzig die zahlreichen Kopulationszenen mit seiner M.M. (Maria Magdalena!) wären nicht unbedingt nötig gewesen. Das abrupte Ende, das ihn wieder zu seinen Wurzeln, die er gekappt zu haben glaubt, zurückführt, lässt zumindest die Option einer Fortsetzung offen.