Buch der 1000 Bücher
Das Herz ist ein einsamer Jäger
OT The Heart is a Lonely Hunter OA 1940 DE 1950Form Roman Epoche Moderne
Mit ihrem Roman Das Herz ist ein einsamer Jäger gelang der damals erst 23-jährigen Carson McCullers ein viel beachtetes Debüt als Schriftstellerin. Der unmittelbare Erfolg dieses Buchs, das die Anerkennung namhafter Kollegen und Kritiker fand und die junge Autorin zum Liebling der literarischen Szene New Yorks werden ließ, gründet vor allem in der gekonnten Verbindung einer realistischen Darstellung menschlicher Entfremdung mit einer ebenso zurückhaltenden wie poetischen Sprache.
Inhalt: Im Mittelpunkt des Romans, der in einer Stadt »mitten im tiefen Süden« spielt, steht der taubstumme Graveur John Singer. Als sein ebenfalls taubstummer Freund Spiros Antonapoulos, mit dem er seit Jahren eine kleine Wohnung und einen in seiner Gleichförmigkeit durch nichts unterbrochenen Alltag teilt, in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wird, gerät das Leben Singers aus den Fugen.
Er zieht aus der für ihn unerträglich gewordenen Wohnung aus und mietet ein Zimmer im Haus der fortwährend von Finanznöten geplagten Familie Kelly. Mit seinem ernsten, bescheidenen Wesen, seiner Klugheit und seiner Höflichkeit übt Singer eine magische Anziehungskraft auf die vier anderen Hauptfiguren des Romans aus. Zu ihnen gehört der grüblerische Cafébesitzer Biff Brannon, der sich aus einem freudlosen Dasein an der Seite seiner Frau Alice immer mehr auf den Posten des schweigsamen Beobachters zurückgezogen hat. In der Gesellschaft Singers scheint sich seine innere Distanz und Kommunikationslosigkeit in einer Art stillem Einverständnis aufzulösen. Auch die halbwüchsige Mick Kelly, die sich auf ihren einsamen Streifzügen durch die Umgebung eine Zukunft als Komponistin und Pianistin erträumt, fühlt sich von Singer verstanden. Ebenso ergeht es dem der Trunksucht verfallenen Streuner Jake Blount, der nach einem gefährlichen Alkoholexzess in Brannons Café von Singer wieder auf die Beine gebracht wird. Blount, der seine Mission in der Verbreitung marxistischer Ideen gefunden hat und Arbeiter zum Widerstand gegen die kapitalistische Ausbeutung aufruft, glaubt in Singer einen Seelenverwandten zu erkennen. Zu dessen regelmäßigen Besuchern gehört schließlich auch Benedict Copland, der sich neben seinem Beruf als Arzt für die Rechte der afroamerikanischen Bevölkerung einsetzt, aber wegen seiner Strenge von den eigenen Kindern gemieden wird.
Als Singer eines Tages erfährt, dass sein Freund Antonapoulos in der Klinik verstorben ist, verliert er jeden Lebensmut und begeht Selbstmord. Brannon, Mick, Copland und Blount, die weder etwas über seine Beziehung zu dem Griechen wussten noch seine Einsamkeit bemerkt haben, bleiben erschrocken und ratlos zurück. So beschreibt der Roman die rastlose Suche der Hauptfiguren nach einem Ausweg aus ihrer Einsamkeit. Durch den Tod Singers wieder auf sich selbst zurückgeworfen, beginnen Mick, Brannon, Copland und Blount schließlich, sich mit ihrem Dasein als Einzelgänger zu arrangieren.
Blount begreift, dass er mit seinen Ideen an diesem Ort nichts bewirken kann und zieht weiter, um sich anderswo nützlich zu machen. Mick gibt ihre Hoffnungen auf ein Leben als Künstlerin auf und nimmt eine Arbeit in einem Warenhaus an. Während der an Schwindsucht schwer erkrankte Copland unbeirrt sein politisches Engagement fortsetzt, kehrt Brannon wieder in den gewohnten Alltag in seinem Café zurück.
Wirkung: Das Herz ist ein einsamer Jäger wurde nach seinem Erscheinen von der begeisterten Kritik mit Werken von Fjodor R Dostojewski und William R Faulkner verglichen und die Autorin als Begründerin eines symbolischen Realismus bezeichnet. B. S.
Pressestimmen
"Ich kenne kein Buch, das ähnlich traurig wäre, sich nicht in Ironie flüchtet und dennoch ohne Bitterkeit ist. Wer in ihren Büchern nur die dunkel gefärbte Grundstimmung wahrnimmt, hat mit Gewißheit nicht den zarten Klang ihrer Sprache gehört. Ihre ganze Prosa scheint von einer heimlichen Melodie, mehr einem Rhythmus aus Tönen denn aus Wörtern getragen zu sein. Deshalb steht der Trost, der von diesem Werk ausgeht, nicht in den Worten selbst, sondern klingt in deren poetischem Zusammenspiel an, er ist nicht lesbar, sondern spürbar." (Nürnberger Zeitung)
Kurzbeschreibung
"Ich kenne kein Buch, das ähnlich traurig wäre, sich nicht in Ironie flüchtet und dennoch ohne Bitterkeit ist. Wer in ihren Büchern nur die dunkel gefärbte Grundstimmung wahrnimmt, hat mit Gewißheit nicht den zarten Klang ihrer Sprache gehört. Ihre ganze Prosa scheint von einer heimlichen Melodie, mehr einem Rhythmus aus Tönen denn aus Wörtern getragen zu sein. Deshalb steht der Trost, der von diesem Werk ausgeht, nicht in den Worten selbst, sondern klingt in deren poetischem Zusammenspiel an, er ist nicht lesbar, sondern spürbar." (Nürnberger Zeitung)
Klappentext
Das Herz ist ein einsamer Jäger
»Heute streitet man sich auch in Deutschland nicht mehr um Rang und Ruhm von Carson McCullers, deren Erstling Das Herz ist ein einsamer Jäger bereits 1940 von renommierten Kritikern des englischen Sprachgebiets gepriesen wurde. Der Roman spielt im Staat Georgia, in einer häßlichen heißen Innenstadt. Carson McCullers' mitleidiges Engagement gilt den Sonderlingen, die in diesen öden merkantilen Städten geradezu als Mißgeburten gelten, weil sie nicht zu den anderen passen, nicht mitmachen in deren Alltag... Was simpel erscheinen mag, ist Methode: ohne Interpretation indirekt darzustellen.« Gabriele Wohmann
»Es gibt Schriftsteller, die erfinden große Grausamkeiten, um unseren Zustand zu schildern. Das gerät gern ins Schönliche. Carson McCullers verherrlicht nicht. Sie erfindet keine dekorativen Bestien. Sie lenkt nicht ab vom Befund. Sie zeigt: die großen Grausamkeiten sind die alltäglichen.« Martin Walser
»26. Juni 1940. Seltsame neue Bekanntschaft: die junge Carson McCullers, Autorin des schönen Romans Das Herz ist ein einsamer Jäger. Sonderbar die Mischung aus Raffinement und Wildheit, morbidezza, und Naivität.« Klaus Mann
Autorenporträt
McCullers, Carson US-amerikan. Schriftstellerin *19.2.1917 Columbus (Georgia) 29.9.1967 Nyack (New York) Das Herz ist ein einsamer Jäger, 1940 Carson McCullers, deren Werk Erzählungen, Romane sowie zwei Theaterstücke umfasst, gehörte zu den meistbeachteten Schriftstellerinnen im US-amerikanischen Literaturbetrieb der 1940er bis 1960er Jahre. Ihr heutiger Bekanntheitsgrad steht in keinem Verhältnis zu der hohen Wertschätzung, mit der ihr Werk von der zeitgenössischen Kritik und von Schriftstellerkollegen wie Graham R Greene und Tennessee Williams (1911-83) aufgenommen wurde. McCullers wuchs als Tochter eines Uhrmachers in mittelständischen Verhältnissen auf. Von ihren ehrgeizigen Eltern zur zukünftigen Konzertpianistin erzogen, reiste sie 1935 nach New York, um am Juilliard-Konservatorium Musik zu studieren. Nachdem sie jedoch gleich in den ersten Tagen nach ihrer Ankunft in New York ihr Schulgeld verloren hatte, schlug sie sich mit Gelegenheitsjobs durch und besuchte statt des Konservatoriums Abendkurse im kreativen Schreiben. 1940 erschien der erfolgreiche erste Roman der erst 23-jährigen Autorin. Wie ihre späteren Werke, handelt auch Das Herz ist ein einsamer Jäger von Einsamkeit und seelischer Isolation in einer entfremdeten Welt. McCullers, die 1940 ihren ersten Schlaganfall erlitten hatte und ab 1946 halbseitig gelähmt war, starb 1967 nach einem weiteren Schlaganfall. Biografie: O. Evans, Carson McCullers, 1970