Das Regie-Debüt der Schauspielerin Nicolette Krebitz startet als Familiendrama, mutiert zum surrealen Psycho-Trip im Stile eines David Lynch und endet etwas unvermittelt als antikes Drama mit tödlichem Ausgang: Offen wird im Film Bezug auf die Medea-Tragödie des Euripides genommen, in der die von Jason verschmähte Medea aus Rache ihre Kinder ermordet.
Nicolette Krebitz, die den Film auch selbst schrieb, wagt viel, gewinnt aber nur die Hälfte. Zwar kann sie sich auf ihre Hauptdarsteller Devid Striesow und vor allem Nina Hoss verlassen, die ihren Figuren die nötige Authentizität und Tiefe verleihen, aber die grotesken Szenen rund um eine Feier auf einem merkwürdigen Waldschloss wirken, als hätte das Filmteam halluzinogene Drogen geschluckt, und überfordern jeden Zuschauer, der auf eine in sich schlüssige Geschichte gehofft hat. Am Ende bleibt das Gefühl, dass die beiden brisanten Themen Doppelleben und Kindstötung, aus denen sich eine realistische, zeitkritische Geschichte hätte weben lassen, zugunsten von Autorenfilmexperimenten arg ins Hintertreffen geraten sind, die den Film dem Fassungsvermögen des durchschnittlichen DVD-Konsumenten entziehen und ihn stattdessen in den intellektuellen Elfenturm der Psychoanalytiker, Philosophen und Feuilletonisten sperren. Immerhin: Einige besonders verstörende Bilder - Nina Hoss nackt im Wald - wirken lange nach (auch mit Hilfe der suggestiven Musik) und wer wollte der Regisseurin verdenken, dass sie nun mal keinen x-beliebigen ZDF-Fernsehfilm der Woche drehen wollte?
Für Freunde von
Yella,
Lost Highway und Nicolette Krebitz.