Ja, da kann ich mich doch glatt der vorherrschenden Meinung der bisherigen Rezensionen anschließen und ohne Umschweife sagen: "Das Herz der Nacht" ist wundervoll! Genau so, wie man es auch erwartet, einfach schön!
Ulrike Schweikert hat sich ja schon in der Vergangenheit öfters der Thematik des Vampirs zugewandt und nicht zuletzt die beiden Peter von Borgo Bücher "Der Duft des Blutes" und "Feuer der Rache" waren/sind für mich echte Highlights, zumal gute Bücher von deutschsprachigen Autoren über die Bluttrinker und Ewiglebenden wirklich Mangelware sind. So war ich zwar erst ein wenig enttäuscht, als ich erfuhr, dass es nicht mit meinem Lieblingsvampir weitergeht, aber immerhin klang der Klapptext vielversprechend und das Buch war gekauft.
Die Geschichte spielt in erster Linie im winterlichen Wien des 19. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt steht der geheimnisvolle Graf und Vampir András Petru Báthory, der frisch aus Siebenbürgen in die österreichische Hauptstadt umgesiedelt ist und mehr oder weniger versucht, seiner Existenz einen Sinn zu geben. Dabei trifft er einerseits auf die Fürstin Therese Kinsky, der er auch gleich zu Beginn das Leben rettet und die schnell dem Charme des Grafen erliegt. Durch die Fürstin lernt er dann auch die junge und begabte Pianistin Karoline Wallberg und ihre Tochter Sophie kennen, bei er der Klavierstunden nimmt. Währenddessen wird Wien von einer Mordserie in Atem gehalten, bei der vorwiegend junge Frauen auf brutalste Art und Weise zu Tode kommen. Schnell haben die Ermittler den jungen Grafen im Visier, der scheinbar immer dort zu Stelle ist, wo kurze Zeit später eine Leiche gefunden wird. Als dann auch Blutspuren und Tatwerkzeug auf András Schwelle auftauchen, wird ihm erst viel zu spät klar, mit wem oder was er es eigentlich zu tun hat...
Ein schöner historischer Roman, der mit Krimi- und Fantasyelementen verbunden, genau das ist, was einem im Klapptext schon versprochen wurde. Eigentlich bin ich ja eher ein Fan von Geschichten, die im Hier und Jetzt spielen, aber "das Herz der Nacht" hat mich praktisch schon mit dem Prolog ins Wien der damaligen Zeit entführt und ich habe zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis gehabt, von dort wieder zu entfliehen.
Die Autorin hat es geschafft, mit ihren schriftstellerischen Fähigkeiten ein sehr detailgetreues Wien zu erzeugen, dass mit all seinen Feinheiten, der Schönheit, aber auch seinen Schattenseiten das Gefühl vermittelt, dass man eben nicht nur Leser, sondern auch Zuschauer ist. Nicht zuletzt lebt das Buch aber auch von seinen Charakteren. Die Fürstin, Karoline, Sophie und natürlich der Graf Bathory selbst sind alle wunderbar herausgearbeitet, haben ihre dunkle Vergangenheit und sind mir persönlich sofort ans Herz gewachsen, aber auch andere Nebenpersonen wirkten authentisch beschrieben und hatten nicht diesen "Ach nee, der schon wieder"-Effekt. Ganz allgemein hatte ich auch nie das Bedürfnis, das Buch entnervt wegzulegen, sondern habe gebannt viele schöne Abende erleben dürfen. Ulrike Schweikert hat sich m. E. sehr viel Mühe mit ihren Recherchen gemacht und in ihrer fiktionalen Geschichte auch ein paar damals wirklich lebende Personen mit eingebunden.
Sehr schön fand ich nach dem Schauplatzwechsel auch die Beschreibungen des großen Brandes in Hamburg, bei der ich nach Beendigung des Buches fast das Gefühl hatte, selbst dabei gewesen zu sein. Das Finale selbst hat dabei natürlich perfekt in dieses Szenario gepasst und war bis zu letzten Seite spannend.
Ich möchte nicht zu viel verraten und kann nur jedem, der Interesse an der genannten Thematik hat, dieses Buch empfehlen. Als dann bei mir am Ende schließlich doch noch die Erkenntnis kam, war die Enttäuschung vom Anfang sofort verflogen (mag jetzt konfus klingen, aber ich will potenziellen Lesern und Kennern nicht die Überraschung nehmen, in dem ich in meiner Rezension schon den Clou verrate, wie das schon an anderer Stelle getan wurde). Lobend möchte ich auch noch die Aufmachung des Buches vom Lyx Egmont Verlag erwähnen, die mich schon in der Vergangenheit durch die liebevolle Gestaltung der Cover und Aufbereitung der Bücher überzeugen konnte. Da kriegt man für sein Geld nicht nur inhaltlich einiges geboten.
Abschließend kann ich nur sagen: 5 Sterne, perfekt, nichts, woran man rummeckern kann. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt und ich würde mich riesig freuen, wenn diese tolle "Reihe" noch nicht zu Ende ist... :)