Ich habe als Arzt in einer psychotherapeutischen Psychodramaklinik für Traumaopfer gearbeitet: Dort haben wir vorwiegend mit Einzel- und Gruppen"aufstellungen" gearbeitet. Psychodrama ist die "Aufstellungsmethode", von der auch Virgina Satir, Perls u. a. "das Aufstellen" zunächst erlernten. Hellinger lernte dies dann von zwei Satirschülerinnen, verließ jedoch die systemische Denkrichtung und interpretierte die hervorragende Methode der Gruppensilumaltions- und Aufstellungsverfahren nach eigenen Gesezten. In die Psychodramaklinik für Traumaopfer wurde oft auch "Hellingeropfer" eingeliefert. Also schwersttraumatisierte Menschen, die in Hellingeraufstellungen Hilfe suchten, dort aber leider keinen ausreichend tragenden professionellen Rahmen fanden und in schwerste Krisen durch gewagte Aufstellungsvarianten gerieten. Manche Rezensenten denken sicher, Hellinger hätte das Aufstellen erfunden, was jedoch nicht der Fall ist. Auch die systemischen Gesellschaften haben sich deutlich von ihm und seinen un-systemischen Ansätzen distanziert. Da er jedoch auch die guten Ansätze von Satir übernommen hat, steckt natürlich auch Wertvolles in seinem Ansatz; aber eben auch vieles, was zu leicht klingt und manchen Klienten leider ihre Freiheit raubt. Im vorliegenden Buch werden sehr wichtige sozialpsychologische Effekte vorgestellt, mit denen "gute Wirkung" in Aufstellung vorgetäuscht werden kann; z. B. der Barnum-Effekt. Den großen Wunsch nach bewegenden Gruppenerlebnissen, nach Erklärungsansätzen, aufregenden Gefühlen u. Ä., der viele Menschen an Aufstellungen auch begeistert, darf auch nicht mit "Wirksamkeit" oder Nachhaltigkeit verwechselt werden. Sehr viele schnell ausgebildete Laienaufsteller kennen solche Mechanismen leider garnicht und kennen auch die "Mutter-Verfahren" Psychodrama, (wirklich) systemische Gruppenarbeit, Gestalttherapie überhaupt nicht; d. h. sie haben diese Verfahren niemals erlebt (es sind erlebnisorientierte Verfahren), haben keine ausreichende Selbsterfahrung durchlaufen, haben keine ausreichende Ausbildung in psychotherapeutischer Diagnostik, Therapie, Gruppendynamik ... Insofern verstehe ich die sehr kritische Haltung des Autors gut. Das dies hier und da in Polemik mündet, könnte in einer Folgeauflage sicher verbessert werden. Natürlich gibt es auch seriöse und gut aufgestellte "Aufsteller". Das Buch gibt keinen umfassenden Überblick, beleuchtet aber einen Aspekt von Gruppensimulationsverfahren, der unbedingt auch gekannt werden muss.