Dieses Werk ist eindeutig einer bestimmten Kultgemeinschaft zugeordnet, dem Odinic Rite Deutschland, ORD, der sich jetzt VfgH nennt. Und mit dem zermoniellen Aufwand einer Kultgemeinschaft zeigen sich die hier dargestellten Blot- und sonstigen Rituale. Leider gibt es für die hier dargestellten Zeremonien (Blots) und die Reden kaum historische Belege. Zieht man jedoch belegte Zeugnisse des germanischen Heidentums heran, wie die Vielzahl an Sagas etc, die Rituale recht exakt beschreiben, so fällt auf, dass die "echten" Rituale unserer Vorfahren wesentlich kürzer und simpler, aber wie ich meine energetischer, lebendiger und gehaltvoller waren. Was hier als "traditionell germanisch" vorgestellt wird, erinnert doch sehr stark an gewisse Grade der "irregulären Maurerei" wie z.B. der Memphis Misraim Maurerei und anderen Okkultismus. Auch Wicca Elemente sind im Buch kaum zu verleugnen. So wird z.B. der Wicca-jahreskreis mit Sonnenwendfeiern zugrunde gelegt, der nichts mit den ursprünglichen germanischen oder auch keltischen Festen zu tun hat, die allesamt nach dem Mondkalender berechnet wurden.
Das verwundert wenig, wenn man weiss, aus welchen "Kreisen" rund um den Weltenbaum Yggdrasil man sich für dieses Buch bediente. Darüber täuschen auch die Vielzahl der altnordischen und althochdeutschen Begriffe nicht hinweg: germanisch war anders, aber irgendwie heidnisch ist es schon ;-)
Ein weiterer Schwachpunkt ist der permanente Rückgriff auf den Religionswissenschaftler Bernhard Maier, der hier als Koryphäe für germanisches Wissen angeführt wird, aber oft im Gegensatz zu internationalen Autoren steht und den heutigen Stand der Forschung nicht gerecht wird. Daraus resultieren viel sachliche Fehler, die insgesamt ein fragwürdiges Bild des germanischen Heidentums zeichnen.
Trotzdem sind einige Element durchaus zu verwenden, wenn man insgesamt mächtig abspeckt und die Fehler umgeht. Aber eigentlich gibt es dafür keinen Bedarf, denn die Sagas erzählen so gut wie alles, was man wissen muss. Lieber intensiv an den Originalquellen rechchieren als einen zeremoniellen Pan-Paganismus als traditionell germanisch zu verkaufen. Als Gesamturteil deshalb nur 2 Sterne.