... sagt mehr als einmal die bereits lange im Haushalt beschäftigte und erfahrene Hausdame Byung-sik, die wohl am meisten ambivalente Figur und heimliche Hauptperson des koreanischen Films "Das Hausmädchen", welcher sich nur schwer in eine Kategorie einordnen lässt und am ehesten als kritisches Gesellschaftsdrama bezeichnet werden kann, mit kleineren Thriller-Anteilen und einer gehörigen Portion Erotik.
Die Hausdame Byung-sik ist es auch, die die jüngere und hübsche Eun-yi in einem Café trifft, um sie zu "begutachten" und dann als (titelgebendes) Hausmädchen bei ihrer schwerreichen (Arbeitgeber-)Familie in deren palastartigen Haus einzustellen. Dort hat sich Eun-yi neben den Pflichten im Haushalt auch um die Betreuung der ca. fünfjährigen Tochter und das Wohlergehen der hochschwangeren Hausherrin, die bald Zwillinge zur Welt bringen wird, zu kümmern. Schließlich muss Eun-yi auch dem Hausherren sexuell zu Diensten sein, worauf sie sich erst zögerlich und dann immer mehr zustimmend einlässt. Als sie aber schwanger wird, kehrt sich die bisher herablassende Wertschätzung der Familie in blanken Hass um und die Situation eskaliert immer mehr.
Regisseur Im Sang-soo drehte ein Remake von "The Housemaid" aus dem Jahr 1960, welches zu den international bekanntesten Filmen Südkoreas gehört und Erfolg bei Kritik und Publikum hatte, um schließlich zum modernen Klassiker zu avancieren. Während 1960 aber das Hausmädchen den Hausherren verführte und der Film vor allem als Plädoyer für den Erhalt traditioneller Familienwerte und Moralvorstellungen gesehen werden kann, zeigt der neue Film von 2010 in der reichen Familie einen moralisch-skrupellosen Geldadel, welcher Macht und Privilegien hemmungslos für sich und seinen dekadenten Lebensstil (in der Nachahmung europäischen Adels durch Wein, Oper und Kunst) zu nutzen weiß und seine Interessen durchsetzt - auch wenn man dafür über Leichen gehen muss. Passend zu dieser Aussage ist der Film in erlesenen Bildkompositionen in verschwenderischer, wenngleich stark unterkühlter Ausstattung inszeniert (wozu der fast durchgängige Winter jahreszeitlich passt). Dass es aber nicht um eine simple Verurteilung der (bösen?) Reichen zu Gunsten der (guten?) Armen geht, wird neben der durchgängig naiv-freundlichen Tochter der Familie an der Hausdame Byung-sik deutlich (die es in der alten Version als Figur nicht gab). Sie bezieht ihre Aussage "Dies sind grausame Leute" zwar auf ihre Arbeitgeber, einschließlich der besonders skrupellos gezeichneten Mutter der Frau, ist selbst aber Spion und Handlangerin eben dieser Menschen, die sie verachtet.
Der Film beginnt noch in der Stadt, wo Eun-yi als Küchenarbeiterin eines Restaurants Zeuge des Selbstmordes einer jungen Frau wird, bevor sie dann die neue Stellung annimmt. Erst im Laufe des Films begreift der Betrachter, dass dieser Beginn einen dunklen Schatten auf die ganze weitere Handlung legt und sich das zwischenmenschliche Grauen sehr langsam, dann aber immer intensiver entfaltet, um zum Schluss sprachlos zu machen.
Der im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes gezeigte Film ist sicher keine ganz leichte Kost, wenngleich die FSK 16- Freigabe in erster Linie aufgrund der expliziten Sexszenen erfolgte. Cineasten und Fans des (neuen) koreanischen Kinos werden aber sowohl ästhetisch als auch inhaltlich auf ihre Kosten kommen mit einem eher ruhigen Film, der noch länger nachwirkt, weil dessen faszinierende Bilder sich festsetzen. Sehenswert!