Es liegt ein Schreiber bekifft unterm Baum und denkt über das Leben nach. Viele gute Bücher sind so entstanden, "Das Haus der sprechenden Tiere" ist eines davon. Eine Fabel mag ich es nicht nennen, denn es geht inhaltlich an typischen Märchenthemen vorbei. Die Beziehung von Katze und Schwein ist sehr schön, aber in diesem Buch steht noch so viel mehr! Es erzählen die einzelnen Vierbeiner aus Riad Sania 6, Marrakesch, vom Leben und Treiben in einem Haus mit wunderlichen Bewohnern. Da sind einerseits die Marokkaner, die einem Westeuropäer sicherlich verrückt erscheinen, und da sind auch die nicht minder verrückten Saisontouristen.
Man kann ein Buch immer auf zwei Arten lesen. Mann kann versuchen, den Inhalt möglichst mit dem Klappentext und den Kritiken in den Zeitungen in Einklang zu bringen. Man kann aber auch das Buch vorurteilsfrei angehen und akzeptieren, dass manches nicht so ist wie es vielleicht vorher schien. Der zweite Weg ist hier zu empfehlen. Man kennt Helge Timmerberg, den getrieben Autor. Helge Timmerberg schreibt keine Kinderbücher. Helge schreibt phänomenal gut - wie eh und je - über das, was er sieht, was um ihn herum passiert. Manchmal ist es einfach nur witzig, manchmal nicht jugendfrei, manchmal fragt man sich als Leser auch wie so etwas passieren kann. Aber eines ist sicher: es wird einem beim Lesen nicht langweilig!
Und um auch die letzten Zweifler zu beruhigen: "Das Haus der sprechenden Tiere" hat mit "Tiger fressen keine Yogis" weit mehr gemeinsam als mit dem "Tierleben". Also unbedingt kaufen!