Weihnachten 1996: zum Entsetzen ihrer Eltern und Scheiegereltern schenkt Barbara ihrem Mann Ralph zu seinem 40. Geburtstag zwei Wochen gemeinsamen Urlaub in einem entlegenen Cottage in Nordengland, das sie von der skurrilen und alleinstehenden 70-jährigen Laura angemietet hat. Barbara erhofft, durch die Einsamkeit dort ihre kurz vor dem Scheitern stehende Ehe retten zu können.
Doch der Urlaub entwickelt sich anders als geplant: die eigenbrötlerische Hausbesitzerin Laura hat vor ihrer Abreise zu ihrer Schwester so gut wie keine Lebensmittel im Haus hinterlassen; Barbara und Ralph wollten daraufhin am nächsten Tag zum einkaufen ins Dorf fahren, doch über Nacht hat es geschneit - und die Beiden völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Strom und Telefon fielen ebenfalls dem Schneechaos zum Opfer, Hunger und Kälte scheinen die nächsten Tagen zu bestimmen. Durch einen Sturz findet Barbara ein verborgenes Manuskript unter den morschen Bodendielen des alten Hauses und beginnt es zum Entsetzen ihres Mannes zu lesen.
Schon an den ersten Zeilen erkennt Barbara, dass dies die Geschichte der ursprünglichen Hausbesitzerin, Francs Gray, ist, die sie vor sich liegen hat. Frances schildert in ihrem Maunskript ihr eigenes Leben, die Geschichte der Familie Gray und ihrer Nachbarn, der Familie Leigh in der Zeit von 1900 bis zu den 50er Jahren: die selbstbewusste Francis Gray stellt sich schon in jungen Jahren den strengen Konventionen des Englands zur Jahrhundertwende. Sie bricht mit ihrem Vater, lehnt das Heiratsangebot ihrer großen Liebe, John Leigh, ab und schließt sich den Suffragetten an, die für das Frauenwahlrecht kämpfen. Den ersten großen Schicksalsschlag erhält Francis, als sie überraschend in ihr Heimatdorf zurückkehrt - und in die Hochzeit ihrer Schwester mit John Leigh platzt. Doch nichts kann die starke junge Frau umwerfen, auch nicht der erste Weltkrieg, der kurz darauf ausbricht. Frances erlebt in den folgenden Jahren viele harte Schicksalsschläge, die sie jedoch nur zu stärken scheinen. Nur den Hass gegenüber ihrer Schwester hat sie nicht im Griff...
Das ist mit Abstand eines der besten Bücher von Charlotte Link! Mit ergreifender Ehrlichkeit und Offenheit beschreibt sie die Emotionen der nach außen hin starken und selbstbewussten Francis Gray, die jedoch in ihrem Inneren an der lebenslang schwelenden Liebe zu John Leigh und dem zunehmenden Hass gegenüber ihrer Schwester Victoria arg zu leiden hat. Schonungslos authentisch beschreibt die Autorin die Grausamkeiten des ersten Weltkrieges und die entsetzlichen psychischen Qualen und Folgen, die die überlebenden Soldaten davongetragen haben. Auch den zweiten Weltkrieg umreisst sie, diesmal jedoch überwiegend aus der Ferne betrachtet. Inmitten dieser weltpolitischen Geschehen erleben die Familen Gray und Leigh ihre eigene Geschichte, mit enttäuschten Lieben, Missgunst und Neid, Eifersucht und sturer traditioneller Ansichten. Hauptprotagonisten sind die selbstbewustte Francis, ihre große Liebe John und ihre hübsche, aber in Selbstmitleid versinkende Schwester Victoria, die mit John verheiratet ist. Ein Familiendrama ungeahnten Ausmaßes nimmt seinen Lauf...
Fesselnd, spannend, und sehr ergreifend - ein großartiges Buch!!!