Judith Lennox hat es geschafft eine besondere Familie in einer besonderen Zeit aufleben zu lassen, eine Familie, die den Leser sofort in ihren Bann zieht und ihn nicht wieder loslässt.
England im Jahre1909: Der vermögende Industrielle Richard Finborough hätte nicht gedacht, dass er in dem entlegenen Küstendorf Lynmouth der Liebe seines Lebens begegnen würde. Doch genau dies geschieht als er die junge Isabel Zeale vor dem wind- und regengepeitschten Meer am Hafen entdeckt. Ihre Zurückweisung trifft ihn hart und doch kann er sie schließlich für sich gewinnen. Zurück in London vergehen die Jahre wie im Flug und die Kinder Philipp, Theo und Sara werden geboren. Während Isabel in ihrer Mutterrolle voll und ganz aufgeht, weiß Richard seine Firma mit viel Geschick zu führen. Als Isabel ihrer Vergangenheit wegen erpresst wird, droht ihre Ehe zu zerbrechen.
Die Autorin versteht es ihren Figuren echtes Leben einzuhauchen und diese so detailreich zu gestalten, dass man manchmal schlicht und einfach vergisst, dass es sich nur um Romanfiguren handelt. Vielmehr werden sie während des Lesens zu Freunden und engen Vertrauten, deren Leben man gebannt verfolgt. Dabei erlebt man so einiges: Isabel und Richard, die sich zwar leidenschaftlich lieben, sich gegenseitig aber auch tief verletzen können. Philipp, Sara und Theo, die nach und nach die Liebe entdecken. Die Familientragödie der angenommenen Tochter Ruby, deren Vater seit Jahren verschollen scheint. Auch Angst und Schrecken der beiden Weltkriege, die nicht nur Europa erschütterten, bleiben dem Leser nicht fern. Und so ist "Das Haus in den Wolken" nicht nur Familienroman und Sittengemälde sondern auch Geschichtsbuch.
Wir lesen von einer Zeit im Wandel, von zwei Generationen, die unterschiedlicher und gleicher nicht sein könnten, von einer Familie, die echten Zusammenhalt erst lernen muss und von vielen starken Charakteren, die dieses Buch mit Farbe und Leben füllen, und es dabei zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis machen.
Judith Lennox hat neben beeindruckenden Charakteren auch eine eindrückliche Kulisse geschaffen, die den Leser mindestens ebenso in seinen Bann schlägt. Hier wird von London, Irland und Frankreich sowie der Westküste Englands in farbigen Bildern erzählt.
Einziges Manko für mich - für andere vielleicht Highlight - ist die detailreiche Schilderung der Geschehnisse des zweiten Weltkrieges. Diese sind mitunter zu lang, geben jedoch einen guten Einblick in ein erschreckendes Stück echte Geschichte. Als Leser hat man den Eindruck man wäre mittendrin, erlebe es am eigenen Körper, was literarisch gesehen beeindruckend, menschlich jedoch verstörend ist. Eine solch ausgefeilte Schilderung der Ereignisse habe ich persönlich in einem Familienroman nicht erwartet. Und doch trägt dies zum Charakter des Buches bei. Es macht die Wandlung der Zeit deutlich, gibt Einblick in das Leben der verschiedensten Menschen während dieser grausamen Jahre und verbindet den Leser noch enger mit den Figuren.
Fazit: Ein fesselnder Roman, der nicht nur durch eine sensible Familiengeschichte überzeugt, sondern auch die damalige Zeit und ihre Ereignisse widerspiegelt. Beeindruckend!