Nachdem mir die beiden letzten Romane von Daschkowa (siehe meine Rezensionen) nicht ganz so gut wie der erste, den ich von ihr gelesen habe ("Für Nikita"), gefielen, war ich diesmal positiv überrascht. Das Namenproblem war nicht ganz so schlimm, das Ende habe ich ausnahmsweise einmal verstanden, und einige Charaktere erkannte ich aus "Russische Orchidee" wieder: Warja, Borodin, Pnyrja.
Wie auch in Daschkowas anderen Werken geht es wieder einmal um ein Geflecht von Kriminalität, das von einem gewissenhaften Polizisten namens Borodin mehr oder weniger entwirrt wird. Dazwischen tummeln sich Unschuldige und Missverständnisse. Allmählich dämmert dem Leser, was los ist, doch Daschkowa setzt das Puzzle langsam, aber hochspannend zusammen. Das Ganze endet wieder in einem große Finale ohne Gefühlsduselei oder seitenweise Geständnisse vom Mörder, obgleich das Thema ernst ist: Sekten, Kindesmissbrauch, Mord, etc... Niemals erhebt Daschkowa den Zeigefinger, sondern überlässt dem Leser das Urteilen, während ihre Charaktere agieren.
Und natürlich fehlen auch in diesem Roman nicht die verworrenen Liebesgeschichten, die zwar seitenmäßig wenig vorhanden ist, aber eine zentrale Rolle im Roman spielt. Was wäre auch diese kaputte Welt ohne Zwischenmenschlichkeiten und die Liebe?
Nichtsdestotrotz ist "Das Haus der bösen Mädchen" ein Thriller und kein Liebesroman. Erfrischend wie immer bei Daschkowa die Rolle der Frau: die Frau nicht als nettes Assessoir für den Helden, sondern als eigenständiges, denkendes Individuum.
(Das einzige, was ich zu bemängeln hätte, wäre das Lektorat. Ich habe sehr viele Schreibfehler gefunden in meiner Roman-Ausgabe (ISBN: 978-3-351-03241-8, Aufbau Verlag, 1. Auflage 2008)! Das nervt natürlich ungemein beim Lesen.)