Als ob er das Buch über Lee Miller, "Das Haus der Surrealisten", vorausgeahnt hätte, notierte der Schriftsteller Lichtenberg (1742-1799) in sein "Sudelbuch": "Die Seele legt, so wie der Magnet den Feilstaub, so das Gesicht um sich herum." Er hätte auch konsequent weiterkritzeln können: aber nicht bloss die Gesichtsmimik, sondern im Weiteren auch in konzentrischen Ringen: die Kleidung, die Möbel der Wohnung, den Freundeskreis. Und an anderer Stelle findet sich auch tatsächlich (so ungefähr) etwas ähnliches: "Ich habe Menschen von großen Talenten gekannt, deren ganzes Meinungssystem so wie ihr Möbelvorrat sich durch eine besondere Ordnung und Sinngebung unterschied. Sie nahmen nichts in ihr Haus auf, wovon sie nicht den hintergründigen Sinn deutlich sahen. Etwas anzuschaffen, bloß weil es andere Leute tun, war ihnen unmöglich. Sie dachten: so hat man ohne uns beschlossen..." Das Buch über den Freundeskreis um Lee Miller und Roland Penrose (der schliesslich bestand aus: Picasso, Man Ray, Cocteau etc.) - dieses Buch ist hauptsächlich ein Buch für Augen: für unsere visuellen Speicher-Schubladen gibt es noch viel mehr zu entdecken (die lückenlose Fotodokumentation des Hauses durchkämmend) als für das Lese-Denkhirn. Das Landhaus der Lee ist vollgestopft mit surrealistischer Kunst. Das Buch ist wie ein reichhaltiger Gang durch ein Museum: das interessanteste, das ich je ohne Anfahrtsweg und Eintrittskarte durchstöbert habe. Absolut empfehlenswert!