Barbara Vine alias Ruth Rendell liefert uns hier keinen Psychothriller im eigentlichen Sinne. Vielmehr eine große bewegende Geschichte über Menschen und Menschlickeit, über psychologische Abgründe, Falschheit, Enttäuschung und Intrigen. Aber auch über Warmherzigkeit, Liebe und unbändiges Vertrauen.
Eine Geschichte, die den Leser mitreißt und eintauchen lässt in die Welt der Elizabeth im bohemen London der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Im Haus der 106 Stufen wohnt Elizabeth mit ihrer "Wahlmutter" Cosette, die eine Reihe von jungen Künstlern und Schmarotzern um sich schart, sie bei sich und von ihrem Geld leben lässt. Als eines Tages die geheimnisvolle junge Bell auftaucht, deren Mann gerade Selbstmord begangen hat, ist Elizabeth sofort fasziniert von dieser merkwürdigen Frau, die ohne auf die Gefühle anderer zu achten, immer geradeheraus ehrlich ihre Meinung kundtut. Dass Bell eine der größten Lügnerin überhaupt ist, bemerkt Elizabeth erst sehr viel später, als ein Mord geschieht und Bells kriminelle Vergangenheit ans Tageslicht kommt. Im "Das Haus der Stufen" erzählt Elizabeth die tragische Geschichte in der Rückblende, so, wie sich damals fast zwanzig Jahre zuvor alles zugetragen hat.
Barbara Vine gelingt es, durch ihren grandiosen Schreibstil, die perfekte Ausarbeitung der Charaktere und den feinen, fast weichen Spannungsbogen, den Leser zu fesseln und fast schmerzlich mitfühlen zu lassen. Am Ende bleibt man nachdenklich zurück und mag sich nicht anfreunden mit dem Gedanken, dass nicht mal ein kleines bisschen Glück der Protagonistin Elizabeth beschert sein soll.
Ein großer Roman, dicht geschrieben, der mich nachhaltig berrührt hat.