Über diesen kurzen "Roman" ist viel geschrieben worden - trotzdem kann man ihn nicht genug loben. Trifonow ist der Schriftsteller der Zwischentöne, das jedoch sehr fundiert und genau. Eine zufällige Begegnung des eigentlichen Erzählers - oder sagen wir der Hauptperson, denn der Ich-Erzähler wechselt im Buch - führt zu einem genaueren Nachdenken über das eigene Leben und die verdrängten Teile davon. Im Mittelpunkt steht irgendwie das berühmte Haus an der Moskwa, das Haus, aus dem in den Jahren um 1937 hohe Funktionäre immer wieder verschwanden. Trifonow äußert dazu : "Wer hier auszog, verschwand für immer...". Trotzdem behandelt das Buch (anders als der Klappentext vermuten läßt) nicht nur die Geschichte jener Jahre. Es geht vielmehr um das durchschnittliche Leben von Anpassung, Verdrängung, ein wenig Mut, seltsamen Allianzen, gespielter Liebe...
Interessant, dass Trifonow das unter Vertretern der "Intelligenzija" und mitten im Alltag ansiedelt - vor uns steht hier ein Gesellschaftsbild der Stagnation der Breshnjew-Zeit, ein Bild, das sehr differenzierend ausfällt, auch wenn Feigheit, Anpassung und Verdrängung sehr beißend und kritisch dargestellt werden.
Wird man Trifonow, den Meister der Zwischentöne, wohl jemals als führenden Vertreter der russisch-sowjetischen Literatur, einen ebenbürtigen Zeitgenossen von Granin, Aitmatow, Rybakow...., wohl wiederentdecken, obwohl seine Geschichten auf den ersten Blick nicht so spektakulär sind wie bei den anderen ? Man kann es sich nur wünschen !!!!