Marvin ist ein typischer Junggeselle unserer Zeit: er schlägt sich mit Nebenjobs durchs Leben, wohnt in einer 1-Zimmer-Wohnung und ist immer ein wenig desorientiert und verplant. Und dabei ist er schon 30 Jahre alt. Auch wenn er in seinem Leben scheinbar bisher noch nicht viel erreicht hat, so kann er sich jedoch für eine Sache besonders begeistern: für Bücher. Das ist auch der Grund, warum er von seiner Arbeitsvermittlerin den Job in einem Antiquariat angeboten bekommt.
An seinem ersten Arbeitstag kommt Marvin aus dem Staunen nicht heraus... denn es geschehen viele seltsame und merkwürdige Dinge. Sein Arbeitgeber, Rasmus, ist ein alter Mann, der an sich zwar sehr freundlich ist, Marvin aber durch seine wunderliche Art doch in Erstaunen versetzt. Das merkwürdigste ist aber, dass Menschen in dem Antiquariat ein und ausgehen, die keine Bücher suchen, sondern von Rasmus in dessen narratorischer Apotheke behandelt werden. Dies ist keine normale Apotheke mit herkömmlichen Medikamenten, sondern eine Sammlung von Geschichten zu den unterschiedlichsten Themen. Rasmus behandelt mit diesen verschiedene Probleme, die Menschen in ihrem Leben haben können: sei es eine Abneigung zur Kirche, die Vergötterung des Liberalismus oder die Suche nach dem Sinn des Lebens. Dabei kommt es immer wieder zu heftigen Gefühlsausbrüchen der einzelnen Patienten".
Auch Marvin kommt nach und nach während seiner Tätigkeit in dem kleinen Antiquariat in den Genuss dieser Geschichten und fängt an, über sein Leben, seine Einstellungen und über seine Werte nachzudenken.
Thomas Franke ist mit "Das Haus der Geschichten" ein kleines Meisterwerk gelungen. Sanft und liebevoll führt er in das Leben von Marvin ein und nimmt den Leser mit auf eine Entwicklungsreise des jungen Mannes. Immer wieder verknüpft Franke die Handlung mit Geschichten aus der narratorischen Apotheke, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Diese Geschichten bringen auch den Leser zum tiefen Nachdenken über die eigenen Einstellungen und Denkmuster. Viele der kleinen Erzählungen könnte ich auch jetzt noch wiedergeben und weitererzählen. Ein so schönes Buch kann ich nur weiterempfehlen und ich hoffe, dass es noch viele Leser finden wird.