Wie ich schon einmal in einer Rezension anmerkte, hat jeder einen anderen Geschmack, was jedoch nicht heißt, dass der eine gut und der andere schlecht ist. Meine Vor-Rezensentin meinte, dass es nur für anspruchslose Hamburg-Liebhaber und Leseratten ohne Köpfchen geeignet ist. Dem widerspreche ich hiermit, denn ich zähle mich zu der anspruchsvollen Leserkategorie. Ich habe nach den ersten beiden Stelling-Bänden nun "Das Haus am Feenteich" gelesen, und mich hat dieses Buch so gefesselt, dass ich es fast am Stück ausgelesen habe!
Zum Inhalt: Friederike Bramfeld wächst als einziges Kind älterer Eltern geliebt und wohlbehütet im wohlsituierten Umfeld im Haus am Feenteich in Hamburg auf. Als sie alt genug ist, schicken sie die Eltern, der Vater ist Bankier, auf ein strenges Mädchenpensionat in der Nähe von Lübeck. Obwohl sie nur widerwillig dorthin geht, fügt sie sich schnell ein und fühlt sich sehr wohl. Dort lernt sie Viktoria, die Tochter von Patrick und Regina Stelling kennen, und sie schließen enge Freundschaft. Bei einem Reitausflug lernt sie den Bauernsohn Rainer kennen und verliebt sich ihn. Als der 1. Weltkrieg 1914 ausbricht wird er, wie auch viele andere, zu den Soldaten eingezogen und kehrt nicht mehr zurück. Zwei Jahre später wird das Pensionat geschlossen und in ein Lazarett umgewandelt. Friederike und Viktoria bleiben da und arbeiten unter schlimmen Bedingungen als Hilfsschwestern bis zum Kriegsende.
In der Zwischenzeit kämpft Ferdinand Bramfeld, den die Bürgschaft für einen Freund an den Rand des Ruins brachte, um das Überleben seiner traditionsreichen Bank. Nach seinem plötzlichen Tod 1919 versucht Friederike zu retten, was noch zu retten ist, auch gegen den Willen ihrer verzweifelten Mutter. Die Freundin Viktoria steht ihr zur Seite. Und dann lernt sie deren Eltern und ihren Bruder Martin Stelling kennen, der gesund aus dem Krieg heimgekehrt ist....
Mich haben die Schilderungen der Kriegszustände, die Auswirkungen auf die notleidende und geschundene Bevölkerung und die Aufstände nach dem Krieg sehr bewegt. Ich kann das Buch uneingeschränkt weiterempfehlen!