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Das Handwerk des Tötens
 
 
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Das Handwerk des Tötens [Gebundene Ausgabe]

Norbert Gstrein
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)

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Gebundene Ausgabe, 8. Dezember 2003 --  
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 380 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 4., Aufl. (8. Dezember 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518414593
  • ISBN-13: 978-3518414590
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 13 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 448.309 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Norbert Gstrein
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.at-Redaktion

Mit der Ermordung des Kriegsberichterstatters Christian Allmayer im umkämpften Kosovo scheinen Reportage und Realität für einen fatalen Moment zu verschmelzen, um dann umso deutlicher wieder auseinanderzuklaffen. Letzteres empfindet der namenlose Icherzähler besonders schmerzhaft in Gesprächen mit dem Reisejournalisten Paul, der Allmayer kannte und sich nun in den Kopf setzt, einen Roman über dessen Fall zu schreiben. Pauls Freundin Helena, deren Eltern aus Dalmatien stammen, begleitet ihn ebenso wie der Erzähler auf Erkundungsreisen in ehemalige Kriegsgebiete in Kroatien und Bosnien. Die fanatischen Recherchen entpuppen sich dabei immer mehr als letztes Aufbäumen eines schriftstellerisch und privat Gescheiterten.

Die hilflosen Versuche, sich schreibend den Realitäten und Irrealitäten des Krieges anzunähern, kulminieren in der Frage, die Allmayer einst einem kroatischen Kriegsherrn stellte: "Wie ist es, jemanden umzubringen?" Die inoffizielle Tonbandaufzeichnung des Interviews, die letztlich auftaucht, scheint nur eines auf düstere Weise klar zu machen: Je näher der Berichterstatter der verhängnisvollen Wirklichkeit kommt, desto mehr wird er Teil von ihr.

Norbert Gstrein hat seinen mit dem Uwe-Johnson-Preis ausgezeichneten Roman dem Andenken des 1999 im Kosovo erschossenen Reporters Gabriel Grüner gewidmet. Trotz unübersehbarer Parallelen zum realen Fall und mancher Seitenhiebe auf Autoren, die sich auf oft fragwürdige Weise während des Kriegs zu Wort meldeten, handelt es sich aber um keinen Schlüsselroman. Es ist vielmehr das tiefe Unbehagen gegenüber allen Versuchen, die geschehene Katastrophe sprachlich zu erfassen, das Gstrein erfahrbar macht, in einer großen literarischen Abrechnung mit dem Handwerk des Schreibens über den Krieg.

Dieser Skepsis entspricht auch die formale Komplexität des Romans, der mit seiner exzessiven, aber stets kunstvoll kontrollierten Verwendung indirekter Rede die Relativität des Gesagten immer bewusst hält. Der erzählerische Sog entwickelt sich dabei durch die gespenstische Spannung zwischen zitierendem Berichten und eigener Unmittelbarkeit, zwischen Distanz und Nähe, Unbeteiligtsein und Verstrickung. Das ständige Gefühl der Inadäquatheit des Sprechens über den Krieg lässt das Scheitern des Reporters Allmayer und des Romanciers in spe Paul notwendig erscheinen. Das Wahrhaftigste, was Literatur hier kann, ist die Beschreibung dieses Versagens. --Mathis Zojer

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 26.07.2003
Eine "erregende, bisweilen quälende Lektüre" hat Norbert Gstreins Roman "Das Handwerk des Tötens" Rezensent Lothar Müller beschert. Wie Müller ausführt, lässt Gstrein darin das Jahrzehnt der Balkankriege von 1990 bis 1999 aus dem Nachlass des 1999 im Kosovo getöteten Reporters Christian Allmayer aufsteigen, aus den Berichten von seiner Beerdigung, den Erinnerungen seines Freundes Paul, aus Gesprächen von Hamburger Journalisten mit der Witwe und anderen Quellen. Entstanden sei ein "literarischer Grabstein" für Gabriel Grüner, den Stern-Reporter, der 1999 im Kosovo aus dem Hinterhalt erschossen wurde. Müller hebt hervor, dass Gstrein dabei die "Formangebote der Reportage" ausschlägt. Nicht als Nachforschung am Todesort und Recherche über den Toten habe Gstrein seinen Roman konzipiert, erklärt Müller, sondern als "Konstruktion einer Parallelwelt", in der die Rechercheure und Nachforscher herumirrten wie das literarische Urbild des modernen Kriegsteilnehmers, Stendhals Held aus "Kartause in Parma". Bei Gstrein fordere einmal nicht die Reportage den Roman heraus, sondern umgekehrt der Roman die Reportage. Dahinter entdeckt Müller Gstreins "tief sitzendes Misstrauen" gegen über einen "direkten Zugriff" auf das Leben und den Tod.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2003
Als "großen Roman über die Unmöglichkeit, sich ein wahres Bild vom Krieg zu machen" würdigt Richard Kämmerlings Norbert Gstreins "Das Handwerk des Tötens". Angelehnt an das Schicksal des "Stern"-Reporters Gabriel Grüner, der 1999 im Kosovo ermordet wurde, handelt der Roman von dem im Kosovo ermordeten Reporter Christian Allmayer und dem Versuch zweier ehemaliger Kollegen, des Reisejournalisten Paul und des Ich-Erzählers, zusammen mit Allmayers Freundin Helena dessen Tod rekonstruieren, berichtet Kämmerlings. Nicht um einen dokumentarischen Roman gehe es Gstrein dabei, sondern um die Reflexion des Verhältnisses von Kriegswirklichkeit und ihrer literarischen Darstellung. Zwar glaube Paul, besessen von der Idee, über Allmayers Tod einen Roman zu schreiben, "an die romanhaften Strukturen der Wirklichkeit". Doch Gstrein zeige, dass die Geschichte vom Krieg nicht die Wirklichkeit ist, so Kämmerlings, sondern "seine Repräsentation nach den Erforderungen von Genre und Stil". Die unzähligen Klischees, die Journalisten und Schriftsteller vom Krieg zeichneten, verdeutlichten für Gstrein ihre Hilflosigkeit und Skrupellosigkeit. Was bisweilen etwas konstruiert wirken mag, die "Engführung von action und dem Nachdenken über die Möglichkeit ihrer Darstellung", ist für Kämmerlings "gerade die Leistung" von Gstreins Roman, den er auch wegen seiner "stilistischen Souveränität" lobt. "Das Handwerk des Tötens", resümiert Kämmerlings, sei ein "tiefer und schonungsloser Blick in das Herz unserer eigenen, noch kaum erhellten Finsternis", ein Roman, mit dem sich Gstrein als einer der "allerersten Erzähler nicht nur der deutschen, sondern der europäischen Literatur" etabliere.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zuviel Klischee 14. Dezember 2003
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Ich kann die Begeisterung, die dieses Buch ausgelöst hat nicht teilen. Die Verbindung zwischen Personen und Handlungen scheinen teilweise sehr an den Haaren herbeigezogen und unnatürlich konstruiert: Der Journalist Paul, dessen Frau ein Verhältnis mit dem Journalisten und Jugoslawien-Berichterstatter Allmayer hat, Pauls kroatische Freundin Helena, die wiederum mit dem Ich-Erzähler anbandelt und schließlich eine Jugendfreundin Pauls Lilly, die Allmayers Tod benutzt, um ihr Schriftsteller-Image aufzupolieren.
Die Geschichte entsteht in den Gedanken Pauls, der besessen davon, ist, dass seine Gedanken sich mit der Realität verweben müssten, was die Künstlichkeit der ganzen Konstruktion unterstreicht. Schwülstig und linkisch wirkt das Ganze dadurch, dass hochpathetische, fast kitschige Klischees eingestreut werden, z. B. wenn Paul seine Freundin Helena im Zusammenhang mit seinem Autounfall „Todesengel" nennt oder wenn Paul sein Leben mit dem Zitat des ebenfalls zeit seines Lebens depressiven Cesare Pavese: "Ich werde nicht mehr schreiben" beendet. Alles in allem mühsam zu Ende zu lesen und vielleicht wegen der Balkankonflikt-Thematik so populär?
War diese Rezension für Sie hilfreich?
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wie schreibt man über den Krieg und das Handwerk des Tötens?

Paul, Schreiber von Reiseberichten, will einen Roman darüber schreiben. Als Anlass dafür nimmt er den Tod des Journalisten Allmayer, eines Bekannten aus der Studienzeit, der im Kosovo in einen Hinterhalt geraten und umgekommen war. Er schreibt, indem er aus fragmentarischen Bruchstücken vorhandenen Materials eine, seine, Geschichte zu konstruieren versucht. Es soll eine Geschichte werden, in der alles zusammenpasst, stimmig ist, Ereignisse und Emotionen nach seiner Vorstellung, wie ein Roman auszusehen hat, aneinander gefügt werden. Er scheut dabei weder vor Rührseligkeit und Kitsch zurück, noch vor zweifelhaftem Material oder erfundenen Inhalten.

Und darüber schreibt Norbert Gstrein. Er erzählt die Geschichte von Paul und lässt auf diese Art, aus der Position eines nicht identifizierten Ich-Erzählers, die eigentlichen Inhalte gleichsam unter der Hand, nie aus dem Mund oder der Feder Pauls, einfließen. Kurze Episoden über die Ungeheuerlichkeiten dieses Krieges - wie das Huhn, das in einem offenen Schädel herumpickt; die ausgestochenen Augen und Herzen, ohne die die Leichen zu nicht mehr an Menschen erinnernden Kadavern werden; die Journalisten, die sich Leichenhaufen fotogen arrangieren lassen - mischen sich so scheinbar beiläufig in die Erzählung, lassen das Blut unversehens stocken, und gleich darauf muss Paul wieder seine Belanglosigkeiten ausspucken, seine schlecht sitzenden möchte-gern-Pointen, sein falsches Pathos.

Somit dürfte es also nicht nur um die offenen Frage gehen, wie „man" über den Krieg schreibt - denn soviel ist schon klar: die Position des Ich-Erzählers ist die bevorzugte. Damit nicht genug wird Paul in jedem zweiten, dritten Satz, der als Antwort oder Kommentar vom Ich-Erzähler folgt, mit kritischen, abwertenden oder glattwegs negativen Attributen bedacht. Ich frage mich: wozu eigentlich?

In der Widmung Gstreins an Gabriel Grüner zu Beginn des Buches heißt es „...über dessen Leben und dessen Tod ich zu wenig weiß, als dass ich davon erzählen könnte". Warum lässt Gstrein es dann Paul über Allmayer tun? Um zu zeigen, wie man es nicht tun sollte? Und was erzählt mir dann eigentlich der Erzähler? Aufgrund welcher Logik schließlich erhebt sich der Erzähler zu allem Überdruss noch in jene des obergescheiten Besserwissers?

Abgesehen von dem seltsam gezwungenen, ständig um Distanz bemühten Erzählstil, der hier gepflegt und, soviel sei zugestanden, auch konsequent durchgehalten wird, hinterlässt dieses Buch vor allem inhaltlich einen schalen Nachgeschmack und eine beunruhigende Leere.

Was, wenn es gerade diese unterkühlte Distanz, dieses bemühte Besserwissen gegenüber dem allzu Menschlichen trotz eingestandener Unzulänglichkeit der wenigen Fakten wäre, das an der Wurzel dieses Konfliktes gestanden ist? Ist es unter diesen Umständen, angesichts menschlichen Versagens dieser Größenordnung, wirklich die richtige Therapie, noch mehr vom Gleichen zu verordnen? War dieser Krieg nicht schon Katharsis genug?

Vergeblich suche ich in diesem Buch die Objekte der Handwerker des Tötens - die Sterbenden. Die bis zur Vollendung des Werkes immer noch beseelt sind, in diesem Roman aber ausgeklammert bleiben. Für mich nicht die richtige Art über dieses Handwerk zu schreiben. Aber immerhin: es macht nachdenklich.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Lebensläufe und Todeslinien 25. September 2003
Von Nola272
Format:Gebundene Ausgabe
Der in Tirol geborene Gstrein gilt als einer der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller jüngerer Generation. Für seinen neuesten Roman wurde dem 42-jährigen Autor („Englische Jahre") bereits der diesjährige Uwe-Johnson-Preis zugesprochen.
In „Das Handwerk des Tötens" widmet er sich dem Kriegsjahrzehnt auf dem Balkan. Drei Männer stehen im Mittelpunkt, die sich dem Handwerk des Schreibens verpflichtet fühlen. Für den Reporter Christian Allmayer gehört Kriegsberichterstattung zu einem Lebensplan, der vorsieht, „die Welt zu bereisen oder Schriftsteller zu werden, als wäre das ein und dasselbe". Nach seinem Tod im Kosovo nimmt der Studienfreund Paul sich vor, über Allmayer einen Roman zu schreiben, und reist mehrmals auf seinen Spuren in die Todeszone. Doch das „Vermächtnis" gerät mehr und mehr zum Plot einer Story.
Der namentlich nie genannte Ich-Erzähler bleibt in seinen gewundenen Endlossätzen ein skeptischer Beobachter von Pauls Recherchen um dieses endlich zu schreibende Buch. Seine nuancierten Vergleiche und eindrücklichen Beobachtungen wirken wie ein Innehalten vor Zynismus journalistischer Formulierungen.
Dabei geht Gstrein der Frage nach, welche Gratwanderung sich mit dem Journalistenauftrag verbindet - von der Informationspflicht, über Grausamkeit zu berichten, bis zur Feststellung, dass damit kein Toter wieder zum Leben erweckt wird, von der Schlüsselrolle des Augenzeugen bis zum Abenteuerkitzel. So erscheint das Gebiet der früheren Todeslinien vor allem als Schauplatz.
Vor diesem Hintergrund erschließt sich Gstreins Widmung für den 1999 im Kosovo getöteten Journalisten Gabriel Grüner, den er zwar kannte, doch „über dessen Leben und Tod ich zu wenig weiß, als dass ich davon erzählen könnte".
„Das hohe Ziel der gewissenhaften Suche nach der Wahrheit, nach jenem Abbild der Wirklichkeit, das nur ein Reporter heranschaffen kann, der das Risiko kennt und es nicht scheut", nannte Wolf Schneider zum Tod des Stern-Journalisten „den hohen Preis einer journalistischen Elite", um ihm Respekt zu zollen für das eingegangene Wagnis. Das Buch lässt vage vermuten, dass Gstrein diese Meinung nicht teilt.
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