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Produktinformation
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Der Grund dafür ist wohl in der zweiten Leidenschaft des aus der Schweiz stammenden Philosophen zu suchen -- dem Schreiben von Romanen (zuletzt Der Klavierstimmer unter seinem Pseudonym Pascal Mercier). Analytische und erzählerische Passagen sind miteinander verwoben. Und die vielen Beispiele und Gedankenexperimente sind nie bloße Illustrationen für etwas, das begrifflich und gedanklich bereits entschieden ist. Das "Stellen Sie sich vor..." am Anfang vieler Absätze lädt den Leser ein, unterschiedlichste Situationen des Erlebens von Freiheit oder Unfreiheit mit dem Autor gedanklich durch zu spielen. In bester phänomenologischer Tradition muss sich das Denken, das an allgemeinsten Begriffen wie Freiheit, Handeln, Entscheiden oder dem Unterschied zwischen Wollen und Wünschen ansetzt, in konkreten Alltagssituationen beweisen und festmachen lassen.
Warum aber ist die Freiheit des Willens ein Handwerk? Weil sie uns nicht in die Wiege gelegt ist oder wir qua Menschsein zur Freiheit verurteilt sind, wie Sartre meinte. Vielmehr müssen wir sie uns erarbeiten, brauchen Fantasie, Selbstreflexion, Engagement und Verantwortung um die Freiheit unseres Willens zu entdecken und zu verfeinern. Also schon fast eine Kunst -- so wie es bestimmt eine Kunst ist, solche Bücher zu schreiben, bei denen philosophische Tiefe und Genauigkeit mit sprachlicher Eleganz und Lesbarkeit eine wundervolle Verbindung eingehen. --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Rezensent: Prof. Dr. Michael Esfeld -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
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In diesem gedanklichen Rahmen entwickelt er dann unter anderem den folgenden interessanten Gedanken:
Stellen wir uns einen Willen vor, der grenzenlos ist, ungebunden, frei. Dieser Wille wird sich NIE entscheiden koennen! Denn aus einer Fuelle moeglicher Dinge, die er tun koennte, kann er keine auswaehlen! Alle Dinge sind gleich interessant, alle gleich gut, und da der Wille grenzenlos ist, findet er keine Bewertungsgrenze, nichts, was ihm sagt, was er waehlen soll.
Deswegen ist dieser grenzenlose Wille gar nicht frei, so Bieri. Sondern ganz unfrei, weil er eben GAR nichts machen kann. Es sei denn, er entscheide sich spontan und zufaellig fuer eine der Moeglichkeiten, aber das waere ja keine wirkliche bewusste Freiheit.
Bieris Idee also lautet: Erst, wenn der Wille seine grenzenlose Pseudo-Freiheit aufgibt und persoenlich wird, sich also an einen Menschen bindet, der bestimmte Einschraenkungen hat, durch seine Physis und seine Erfahrungen, erst dann wird ein Wille ENTSCHEIDUNGSFAEHIG, erst DANN wird er frei und KANN sich ueberhaupt fuer etwas entscheiden (und eben DAS bedeutet fuer Bieri Freiheit, sich entscheiden zu koennen).
Man muss aber stets bedenken, dass Bieri hier ueberhaupt nur eine gesellschaftliche Definition von Freiheit formuliert. Wer eine streng wissenschaftliche, biologisch-physikalische Debatte sucht, der sollte sich lieber das Buch von Doerner zulegen, "Bauplan fuer eine Seele", das ich hier gerne empfehlen moechte. Denn auf Gedanken zur fundamentalen Determiniertheit der Menschlichen Entscheidung und auf die Debatte um die eventuelle Freiheit der Gedanken aufgrund von Quantenwahrscheinlichkeiten geht Bieri in seinem Buch nicht ein.
Dieses Buch ist also ein interessanter Neuansatz fuer eine Definition von Freiheit. Und man stellt sich am Ende die Frage: Suche ich eine "wahre", aber fuer das Leben vielleicht irrelevante Beantwortung der Frage, ob der Mensch frei ist... oder suche ich eigentlich vielmehr einen operativen Begriff von Freiheit, den wir im taeglichen Umgang und im gesellschaftlichen Miteinander verwenden koennen, der aber per se nicht fundamental ist?
Ich persoenlich empfand es als Bereicherung, Bieris Facette der Freiheit kennengelernt zu haben. In diesem Sinne: lesenswert.
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