Macht das Umschlagbild noch Lust auf eine gute Satire über die Institution der Ehe, so wird man spätestens nach dem Lesen der ersten zehn Seiten schwer enttäuscht sein: Das Buch ist leider genauso altbacken und bieder wie das Titelbild aussieht.
Mehrfach musste ich während des Lesens dieses Buchs auf die Seite mit dem Copyright Vermerk zurück blättern, um mich zu vergewissern, dass dieses Buch tatsächlich im aktuellen Jahrtausend geschrieben wurde. Zu Anfang regt sich Doris Becker noch über das stereotype Menschenbild in Büchern über Mars und Venus von anderen Autoren auf, nur um kurz darauf selbst die ältesten Klischees aus Omas Kommode auszugraben: Die Ehefrau wird nur als Hausfrau und Mutter dargestellt, die den Mann mit gewienertem Boden und Braten im Backofen nach der Arbeit begrüßt anscheinend ist die Emanzipation der Frau an der Autorin rückstandslos vorüber gegangen.
Als allwissende Über-Ehefrau meint Doris Burger dem Leser wirklich alles vorschreiben zu müssen: von der Häufigkeit des Blumenschenkens bis hin zum korrekten Abrollen eines Kondoms lässt die Autorin keinen noch so belanglosen Hinweis an werdende oder junge Ehemänner aus. Wer nicht sein Leben lang im Keller gewohnt hat, wird wenig Neues in diesem Buch finden und sich bestenfalls über den Eifer der Autorin wundern, mit welchem sie den Männern wirklich jeden Handgriff erklären will.
Bei der Lektüre dieses Buchs könnte man den Eindruck gewinnen, die Autorin wolle einem den Spaß an der Partnerschaft mit all ihren Platitüden über die Aufgaben und Pflichten eines Ehemanns verleiden. In blumigen Beispielen malt sie immer den Teufel an die Wand und zählt die schlimmsten Unfälle oder Ereignisse auf die passieren können.
Dabei beschränkt sie sich nicht nur auf das Eheleben, sondern gibt ihren Senf auch noch zum Grundstücks- und Immobilienkauf, zu Urlaubsreisen, der Wahl des Studiums oder der Körperpflege ab. Es gibt praktisch keinen Bereich des Lebens, den die Autorin mit ihren zumeist banalen Hinweisen verschont.
Wähnt der Klappentext den Leser noch in der Erwartung, dass sich das Buch an frisch Verheiratete wendet, so offenbart die Autorin in einer Passage über einen Spitzenpolitiker, der beim Moschee-Besuch die Löcher in seinen Kniestrümpfen zeigt, das eigentliche Zielpublikum ihres Buchs: das Werk ist nicht an die aktuelle Generation von jungen Erwachsenen gerichtet, sondern an deren Eltern und Großeltern, deren größte Probleme die Farbe des Sportwagens ist, den der Mann seiner Frau zum 50. Geburtstag schenkt oder der Umstand, dass er mal wieder mit seiner Sekretärin fremd gegangen ist.
Probleme und Fragen mit denen sich junge Menschen in der Ehe beschäftigen müssen, wie Arbeitslosigkeit, Ziellosigkeit in der heutigen Leistungsgesellschaft, Internet-Süchte wie Rollenspiele, Chatten, Social Communities, Pornografie, etc. oder überhaupt Online Dating und Internet Ehen, Ehevertrag, Distanzbeziehungen, Eifersucht (z.B. SMS des Partners lesen) und derartige Dinge kommen in diesem Buch überhaupt nicht oder nur ansatzweise vor. Stattdessen werden die Probleme gelangweilter Ehepartner kurz vor der Goldenen Hochzeit behandelt - die Autorin kann leider nicht kaschieren, dass sie selbst schon auf die Mitte 40 zugeht und eigentlich keine Ahnung über die heutigen jungen Erwachsenen hat und auch nichts darüber recherchiert hat.
Humorvoll oder unterhaltsam, wie die Buchbeschreibung auf dem Einband verlauten lässt, ist dieses Werk keineswegs. Die endlosen Aufzählungen wirken eher trocken und ermüdend. Die wenigen Versuche der Autorin ihr Buch etwas aufzulockern gehen kläglich in der biederen Materie unter, welche den größten Teil zwischen den beiden Deckblättern des Buchs ausfüllt.
In regelmäßigen Abständen flickt die Autorin Verweise auf andere Bücher ein - das wirkt nicht nur irritierend, sondern riecht nur allzudeutlich nach Schleichwerbung, insbesondere weil die meisten Zitate auf weitere Bücher der Autorin verweisen.
Wenn Sie mit dem Gedanken spielen einem werdenden Ehemann dieses Buch zu schenken sollten Sie sich erst einmal überlegen, ob die Gefahr besteht, dass der Beschenkte dieses Buch tatsächlich auch lesen wird oder es sich nur des lustigen Titelbilds wegen ins Regal stellt.
Sollte das Erstgenannte zutreffen, dann schenken Sie dem künftigen Ehepaar lieber einen Kino- oder Restaurant Gutschein das bringt der Beziehung dieser beiden deutlich mehr ein als das Lesen dieses Buchs.