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„Den Morgen des 14. Oktober 1806 verbrachte Goethe im Garten über seiner Farbenlehre, derweil Napoleon vier Wegstunden ostwärts die preußische Armee zermalmte.“ Mit diesem wunderhübschen ersten Satz stürzt Robert Löhr sich und uns Leser in ein Abenteuer, das frei erfunden und völlig abstrus ist, dessen Protagonisten aber allesamt höchst echt sind: Denn er erzählt von niemand Geringerem als den Größen der deutschen Literatur jener Zeit, insbesondere Goethe, Schlegel, Kleist, Tieck sowie Madame de Staël.
Jene fünf brechen zu einer äußerst konspirativen Unternehmung auf: Kleist konnte in einem Benediktinerkloster auf einer Bodenseeinsel die Karlskrone, die größte Krone der Christenheit, in seinen Besitz bringen, hinter der Napoleon her ist, um sich mit ihr zum Kaiser Europas krönen zu lassen. Um dies zu verhindern, muss die Krone nach Preußen geschmuggelt werden – doch wie? Gemeinsam mit dem nicht mehr ganz jungen Goethe, den beiden Romantikern Tieck und Schlegel sowie Napoleons Intimfeindin Madame de Staël heckt der ehemalige preußische Offizier Kleist einen so raffinierten wie grotesken Plan aus: Die fünf üben eine Inszenierung von Hamlet ein (bei der sich Shakespeare im Grabe herumgedreht hätte) und ziehen als Wandertheatertruppe getarnt aus der schwäbischen Provinz Richtung Ostpreußen, wohin der deutsche Kaiser Friedrich Wilhelm III. vor Napoleon geflohen war…
Natürlich ist das Hamlet-Komplott nach dem gleichen Muster gestrickt wie der Vorgängerroman Das Erlkönig-Manöver, aber was macht das? Die Idee, „unsere Klassiker“ von ihrem Sockel zu holen, sie auf eine Indiana-Jones-mäßige Expedition zu schicken und dabei die im Grunde fast schon kolportagehafte Handlung mit einer Fülle an literarischen Zitaten, Verweisen und Anspielungen zu garnieren, ist famos und trägt definitiv für mehr als ein Buch. Dieser Roman ist ein Feuerwerk an geistvollen Gags, und richtig spannend ist er tatsächlich auch noch. Von dieser Sorte darf Herr Löhr gerne noch ein paar Bücher schreiben! -- Christoph Nettersheim
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»Der studierte Germanist, Journalist, Drehbuchautor und Romancier hat sich eine geradezu intime Kenntnis der damaligen Zeit zugelegt – bis in die Charaktere und die Sprache seiner Protagonisten hinein. Gelegentlich legt er ihnen sogar ihre eigenen Zitate in den Mund. Mit anderen Worten: Der Zeitgeist quillt aus allen Sätzen.«, Wormser Zeitung, 07.10.2010