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Das Hamburger Gängeviertel: Unterwelt im Herzen der Großstadt
 
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Das Hamburger Gängeviertel: Unterwelt im Herzen der Großstadt [Gebundene Ausgabe]

Geerd Dahms
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 287 Seiten
  • Verlag: Osburg; Auflage: 1 (30. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3940731536
  • ISBN-13: 978-3940731531
  • Größe und/oder Gewicht: 23,6 x 20,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 85.198 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

"Hätte doch die Feuersbrunst im Jahre 1842 lieber diese elenden, ungesunden Baracken als so manche Straße mit geräumigen schönen Häusern zerstört." So klagten Mitte des 19. Jahrhunderts führende Vertreter des Hamburger Bürgertums angesichts der eng bebauten Hinterhöfe und Gänge der Hamburger Altstadt. Nicht selten hausten mehr als 25 kinderreiche Familien in nur einem der verwahrlosten, jahrhundertealten, mehrfach aufgestockten Fachwerkhäuser. Prostitution und Kriminalität waren an der Tagesordnung. Zehntausende Menschen wohnten hier in etwa 6500 Wohnungen in mittelalterlich anmutenden Verhältnissen einer großen und wohlhabenden Handelsstadt unwürdig. Selbst die verrufenen Londoner Slums sollen dagegen auf Zeitzeugen eher harmlos gewirkt haben.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Geerd Dahms ist Deutschlands einziger öffentlich bestellter Denkmalgutachter und Mitbegründer der Hamburger Geschichtswerkstätten zur Regional-, Handwerks- und Industriegeschichte. Er hat meiner Meinung nach mit seinem Buch "Das Hamburger Gängeviertel - Unterwelt im Herzen der Großstadt" einen Volltreffer gelandet, indem er im Hamburger Staatsarchiv Material zutage förderte, das dort seit mehr als 100 Jahren unbearbeitet und beinahe vergessen in den Akten lag. Dazu gehörten u.a. die Berichte von William Lindley über die hygienischen Zustände in den Höfen und Gängen des heute so eleganten Zentrums der Hansestadt.

Wer die Prachtstraßen und Kontorhäuser wie das Chilehaus oder den Sprinkenhof kennt, kann sich gar nicht vorstellen, wie es rund um die Mönckeberg- und die Spitalerstraße vor 100 Jahren aussah. Das beschreibt der Autor nicht nur, sondern er belegt es auch mit sehr vielen Bildern. Beides macht dieses Buch so wertvoll, in dem es nur um das Gängeviertel der Altstadt geht. Ein Buch über das Gängeviertel in der Neustadt soll später folgen.

Geerd Dahms erzählt zunächst einmal, wie das Gängeviertel überhaupt entstand und wie es zu der unglaublichen Verdichtung der Wohnbereiche dort kam, und erst dann wie es im Gängeviertel aussah: Viele Höfe und Gänge hatten offene Rinnsteine in der Mitte und waren nicht an die Siele angeschlossen. Deswegen wurde das Trottoir der Spitalerstraße und in den Lange Mühren mit neuem Sandsteinpflaster versehen. Links und rechts der gepflasterten Wege ín den Höfen und Gängen waren häufig schiefe hölzerne Verschläge an die Häuser angebaut und ragten in den Weg. Darin war eine hölzerne Kastenbank mit einem Loch in der Mitte. Sie bildete die einzige Toilette für alle Bewohner des Hauses. Die Trinkwasserversorgung wurde über zentrale Brunnen und mit den Wasserwagen abgewickelt. Da das Wasser nicht umsonst war, versorgten sich viele Einwohner mit dem, was ihnen die Fleete zu bieten hatten. Die gleichen innerstädtischen Kanäle waren aber auch für den Abtransport von Kot und Unrat jeder Art gedacht... Der Dreck stapelte auf den Wegen, es wimmelte von Mäusen und Ratten.

Die Wohnungen waren feucht und voller Ungeziefer, vor allem Wanzen piesackten die Menschen. Glück hatten Familien, die über ein Kinderbett und den Platz, es aufzustellen, verfügten. Oftmals schliefen die Kinder auf ausgebreiteten Kleidungsstücken auf dem Fußboden, die kleineren auch in aufgezogenen Schubladen. Es gab Häuser mit 25 Familien, darüber sogenannte Sähle, in denen 10 Familien lebten, nur durch eine dünne Bretterwand voneinander getrennt.

Es ist sehr verdienstvoll, dass der Autor viele Berichte zitiert, u.a. die des Notars Dr. Heinrich Asher, der in Begleitung einiger Honoratioren das Gängeviertel besichtigt hatte. Dieser Mann empörte sich moralisch (!) darüber, dass die Bewohner aus Not ihr eigenes Bett stundenweise an Schlafgänger vermieteten. Er wetterte, es gäbe hier Branntweinschenken, wo die unstetig beschäftigten Schauermänner "viehischer Begierde" und "widerlicher Völlerei" nachgingen. Darüber aber, dass die Reeder ihren Beschäftigten so geringe Löhne bezahlten, dass sie sich keine andere Unterkunft leisten konnten, empörte er sich nicht. Auch nicht darüber, dass sie im Winter, wenn die Elbe zugefroren und sie arbeitslos waren, keine Unterstützung erhielten.

1892 brach in Hamburg die Cholera aus; und der Senat sorgte dafür, dass sich die Seuche in der Stadt ausbreiten kann, indem er neun volle Tage lang die Nachricht über das Auftauchen des Bazillus in Hamburg unterdrückte. Außerdem hatten die Politiker in Senat und Bürgerschaft, die meist Kaufleute waren, sich zwar lange über die Finanzierung einer Sandfiltrierungsanlage gestritten, sie aber nicht bauen lassen. Geerd Dahms schreibt (S.90): "Am Schulterblatt in St. Pauli wurde die eine Straßenseite von Hamburg aus und die andere von Altona aus mit Trinkwasser beliefert. Im Gegensatz zu Hamburg hatte man in der preußischen Nachbarstadt aber von Anfang an Wert auf die gründliche Sandfiltrierung gelegt, bevor das Wasser in die Leitungen kam. Die Hamburger entnahmen das Wasser der Elbe bei Rothenburgsort, ließen es in große Becken laufen und dort eine Zeitlang stehen, damit sich die festen Bestandteile absetzen konnten, anschließend wurde es in die Leitungen gepumpt. Je höher der Wasserverbrauch, umso kürzer die Ablagerungszeit. Während die Bewohner auf der Altonaer Straßenseite gesund blieben, hatten die mit Hamburger Wasser versorgten Bevölkerungsteile zahlreiche Todesfälle zu beklagen." Und der Bakteriologe Robert Koch, der das Gängeviertel besichtigte, sagte danach zu den Honoratioren: "Meine Herren, ich vergesse, dass ich in Europa bin."

Schließlich beschloss der Senat, das Gängeviertel komplett abzureißen, und zwar ohne neuen Wohnraum für die vertriebenen Hafenarbeiterfamilien zu schaffen, die aber auf die Nähe zum Hafen angewiesen waren, weil es noch keine funktionierenden und bezahlbaren öffentlichen Verkehrsmittel gab. Akribisch dokumentiert der Autor, wer die noch geheimen Pläne vor deren Veröffentlichung verriet und wer dadurch mittels Bodenspekulation auf Kosten der Steuerzahler bzw. Ärmsten der Armen Hamburgs sein Vermögen aufgebaut hat. Außerdem hat sich der Autor anhand der Bevölkerungsstatistik auf die Suche nach den jetzt Wohnungslosen gemacht.

Kurz: "Das Hamburger Gängeviertel - Unterwelt im Herzen der Großstadt" ist eine wertvolle Informationsquelle für jeden, der sich für die Hansestadt interessiert.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Ein hervorragend geschriebenes und recherchiertes Buch, dafür gebe ich gerne 5 Sterne.
Äußerst interessant und gut verständlich geschrieben mit vielen Hintergrundgeschichten,historischen Bilder und Quellenangaben.

Im letzten Drittel des Buches werden detailliert die unlauteren Machenschaften der damaligen Hamburger Honorationen,wie Bürgermeister,Senatoren, Bürgerschaftsmitglieder und Geschäftsleuten beschrieben, die bei der Planung und Bau der Mönckebergstraße teilweise zu Millionären wurden!Einige Firmen der Beteiligten Personen bestehen heute noch!
Etliche Straßen-und Plätze tragen noch heute in Hamburg die Namen dieser "Spekulanten" und Betrüger (Lappenberg, Siemers etc.)ohne daß sich jemand darüber mokiert und eine Straßenumbenennung beantragt!! Damals gab es noch keine "political correctness"!!

Nur wenige Hamburger dürften die baugeschichtliche Umgestaltung des Zentrums Ihrer Heimatstadt so detailliert kennen. Diesen und allen anderen Interessierten sei dieses Buch wärmstens ans Herz gelegt.
Ein historisch,sozialpolitisch und lokalpatriotisches hervorragendes Werk des Autors.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von dirtsc
Das Buch beleuchtet ein Stück Hamburger Geschichte, dass sich von den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts bis in die 20er / 30er Jahre des 20. Jahrhunderts abgespielt hat. Es geht dabei um die Umwandlung des Hamburger Stadtteils "Altstadt" von einem Wohnviertel der unteren Schichten in das heute bekannte Einkaufs- und Geschäftsviertel. Am Beispiel dieses Wandels bekommt man einen guten Einblick in die Kontinuität der politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Struktur der Stadt. Der Autor schafft es, Ereignisse die teilweise mehr als 100 Jahre zurück liegen, so zu beschreiben, dass man sie gut verstehen kann. Und erstaunlicherweise auch so, dass man immer wieder Vergleiche zum heutigen Leben anstellen kann.

Der Autor geht strikt chronologisch vor. Nach einem kurzen Vorgeplänkel zur Geschichte Hamburgs kommt eine umfangreiche Erklärung, wie und warum die alten Gängeviertel entstanden sind. Anschließend eine mindestens ebenso umfangreiche Beschreibung des Zustandes um ungefähr 1860. Man erahnt am Rande, dass der Bau der Speicherstadt in Hamburg, bei dem auch alte Wohnbebauung neuer Gewerbenutzung weichen musste, Vorbild für die Veränderungen im Gängeviertel sein würde. Man kann nachvollziehen, dass die Nutzung dieser innerstädtischen Flächen durch bei weitem nicht mehr zeitgemäße Wohnbauten Probleme für die Stadt mit sich brachte. Hygienische Probleme wurden im Verlauf der großen Choleraepidemie sehr deutlich. Soziale Probleme zeigten sich in vergleichsweise hoher Kriminalitätsrate und in einem schlechten Bildungsstand der Bewohner. Ein Potential für den Widerstand der Bewohner gegen die Regierung der Stadt zeigte sich während des Hafenarbeiterstreiks 1896/97. Und natürlich gab es immer wieder Bestrebungen der Grundstückseigentümer (die meist nicht die Bewohner waren), den Wert ihrer Grundstücke durch Maßnahmen der Stadt steigern zu lassen. Spätestens nach dem Bau von Rathaus und Hauptbahnhof in ihrer heutigen Form sahen es Regierung und Verwaltung als notwendig an, die Gegend vollständig umzugestalten. Ein nicht unerheblicher Beweggrund dabei war das Image der Stadt nach außen auf Besucher. Viele der damaligen Argumente hört man in abgewandelter Form bei den modernen sogenannten "Stadtentwicklungsdiskussionen" ebenfalls. Die Motive dafür, Teile einer Stadt massiv zu verändern haben sich offenbar in den letzten 100 Jahren kaum geändert.

Im letzten Abschnitt des Buches wird die Rolle der Spekulation und Korruption beleuchtet. Akribisch stellt der Autor handelnde Personen vor, zeichnet den Fluss von Informationen nach und macht klar, wie sich aus diesen Informationen guter Profit schlagen ließ. Immer wieder war es für mich spannend, Namen von Familien zu lesen, die man heutzutage noch als Straßennamen in Hamburg findet. Eher ernüchternd war es dann, zu lesen, wie nahezu alle Versuche diese betrügerischen Machenschaften zu ahnden in einem Wirrwarr aus Unzuständigkeiten und gegenseitiger Deckung versickerten. Am Ende hatten die Aufklärer von ihrer Arbeit oft mehr Nachteile als die ungeschoren davon gekommenen Betrüger.

Das Buch ist gut lesbar und spannend geschrieben. Es stellt eine Zeit großer Veränderungen im Hamburger Stadtbild sehr klar dar und ergänzt den Text mit vielen beeindruckenden Fotos und Zeichnungen. Um dieses Buch allerdings optimal zu verstehen, sollte man den beschriebenen Stadtteil schon kennen (und dazu reicht es nicht, als Tourist einen halben Tag über die Mönckebergstraße geschlichen zu sein) und die Hamburger Lokalpolitik der letzten Jahre einigermaßen verfolgt haben (und dazu reichen die üblichen PR-Verkündigungen des Senats und die Lektüre der örtlich vorherrschenden Presse nicht).
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