Der Band enthält drei (eine recht kurze, zwei von mittlerer Länge) kürzere Erzählungen. Wie der Vorgängerband "das Geheimnis der Jadekette" sind die Geschichten den großen alten Damen und Herren der Kriminalliteratur geschuldet. Lesenswert ist der Band allemal, wenn auch, da gebe ich zahlreichen Vorrezensenten recht, die in Russland spielenden Romane um einiges besser sind.
"Das Halsband des Leoparden" ist Akunins Tribut an Agatha Christie. Man kann über dieses kurze Stückchen nicht viel sagen, ohne gleichzeitig ein paar wenig schmeichelhafte Worte über Lady Agatha selbst zu verlieren: die Geschichte ist ebenso einfach wie skurril, das Weltbild der handelnden Personen merkwürdig eingeschränkt, und wer am Ende der Böse ist, sieht man von vornherein daran, daß er sich nicht sehr Britisch verhält. Diese Christie-Konstanten hat Akunin brillant erkannt und weiterverarbeitet.
Mit "Traumtal" tue ich mir schwerer, weil ich Washington Irwing nicht kenne. Trotzdem hat Erast Petrowitsch Fandorins Ausflug in eine russische Kolonie im Wilden Wyoming (gab es so was? Bestimmt, aber wer weiß schon so genau, was es im amerikanischen Hinterland alles gab?) etwas für sich: Fandorin wird von einem Industriellen angeheuert (ein Russe, der seinen Namen amerikanisiert hat), der in einem seiner unbewohnten Täler eine Gruppe russischer Idealisten wohnen hat. Diese werden in letzter Zeit von einer Bande berittener Outlaws terrorisiert. Fandorin erhält den Auftrag, herauszufinden, was hinter den Übergriffen steckt und gerät sehr schnell in ein geschicktes Gewebe aus Lug und Trug...
"Die Gefangene im Turm oder Der kurze, aber schöne Weg der drei Weisen" ist weniger eine Hommage an Sir Arthur Conan Doyle, wie man vielleicht zunächst denken könnte, sondern eine an Maurice Leblanc, den Schöpfer des bösen Arsene Lupin. Erzählt wird im Wechsel aus dem bornierten Blickwinkel des Dr. Watson und dem japanischen des Dieners Masa (dem Fandorin im Anschluß leider das Ehrenwort abnimmt, künftig keines seiner Erlebnisse mehr aufs Papier zu bannen, schade...) Wer mehr als zwei Bände Leblanc gelesen hat, wird auf jeden Fall feststellen, das Akunin dem Vorbild voll gerecht wurde...
Trotzdem freue ich mich auf den nächsten Band, der wieder mal ein solider russischer Roman zu sein verspricht...