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Das Guayana-Projekt: Ein deutsches Abenteuer am Amazonas
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"Die beiden größten bevölkerungsarmen und hervorragend nutzbaren Reserveräume der Erde sind Sibirien und Südamerika....."
(Otto Schulz-Kampfhenkel)

Nach einer kleinen Übersichtskarte, dem Inhaltsverzeichnis und einer Hochspannung erzeugenden Einleitung beginnt Jens Glüsing mit der Schilderung eines deutschen Abenteuers am Amazonas. Der Autor bedient sich hierbei geschickter Weise von Kapitel zu Kapitel des Wechsels zwischen zwei Zeitebenen.....

.....wobei er auf der gegenwärtigen, als Spiegel-Korrespondent für Lateinamerika, zusammen mit dem Fotografen Michel, selbst vor Ort präsent ist. Zusammen mit Christoph Bernhard Jaster gehen sie in dessen Revier, das so groß wie Holland ist, auf Tour. Der deutschstämmige Beamte der brasilianischen Naturschutzbehörde "IBEMA" wurde mit dem Aufbau des Nationalparks "Montanhas do Tumucumaque" an der Grenze zu Französisch Guayana beauftragt. Mit einer Mischung aus Erzählungen und Fakten gelingt es dem Politologen, Romanistiker und Journalisten Glüsing sofort die Leser in seinen Bann zu ziehen. Angefangen beim Mythos "El Dorado", über das von einem Deutschstämmigen in Belem gebrauten "Cerpa-Bier", Ökotourismus, Wildwasser, illegale Goldgräber, "Fitzcarraldo" bis hin zum World Wildlife Fund, "zweibeinigen, langhaarigen Piranhas" und Tapiren als besonderer Delikatesse zeichnet er ein faszinierendes Bild des größten Tropischen Regenwald-Nationalparks der Erde. Am Ende des ersten Kapitels zeigt Jaster dem Autor ein Buch, das er im Bücherschrank seiner Mutter gefunden hatte. Das 1938 in Berlin erschienene "Rätsel der Urwaldhölle" beschreibt eine Expedition, die sein Autor Otto Schulz-Kampfhenkel in den 1930er Jahren auf dem Rio Jary bis zur Grenze von Französisch Guayana unternommen hatten.

Mit dem Kapitel "Das Dschungel rief" wird der Leser auf die historische Ebene geführt, als die Expeditionstruppe um Schulz-Kampfhenkel auf dem Dampfschiff "Agira" in die Amazonasmündung einläuft, um 17 Monate ohne Satellitentelefon, Hightech-Außenborder und Aluminiumboote in der tropischen Flusslandschaft unterwegs zu sein. Als Gepäckmeister, Vorarbeiter und Nachschubleiter wird in Rio noch ein junger Seemann namens Joseph Greiner angeheuert. Nach der Vorstellung der anderen Forscher (Gerd Kahle und Gerhard Krause) und einer von Schulz-Kampfhenkel gezeichneten Skizze über den Verlauf der "Deutschen Jary Expedition 1935 - 1937" wird deutlich, dass geographische und ethnographische Studien, die Erforschung von Fauna und Flora, sowie die Produktion von Dokumentationsfilmen nicht ihre alleinigen Gründe waren. Neben der Erlaubnis des deutschfreundlichen Präsidenten Getulio Vargas' konnte sich die Exploration auch der politischen Unterstützung Berlins und namhafter Sponsoren erfreuen. Die Firma Heinkel und das Reichsluftfahrtministerium steuerten den neuen zweisitzigen Doppeldecker "Heinkel Seekadett 72" bei, Leica spendierte Kameras und die Ausrüstung für Luftbildaufnahmen, Bayer stattete die Reiseapotheke mit neuen Medikamenten gegen Malaria und andere Tropenkrankheiten aus, Agfa half mit Tausenden Metern Filmmaterial. Daneben war mit Hilfe der UFA eine Vermarktung als Medienspektakel geplant. Zur geheimen Erprobung einer neuen Technik für Luftaufklärung, die zur Erschließung von Bodenschätzen und für militärische Zwecke nützlich war, hob erstmals ein Wasserflugzeug vom Amazonas ab. Der Doppeldecker mit der Kennzeichnung D-EFON des bereits 1933 in die NSDAP eingetreten Schulz-Kampfhenkel, trug mit einem Hakenkreuz am Heck das "Hoheitszeichen des Dritten Reiches".

Das Kapitel "Im Dschungel der Hilfsorganisationen" beschäftigt sich mit den NGO/ONG (Non-Governmental-Organizations), als Greenpeace, WWF, Conservation International etc. der Gegenwart. Nachdem Steffen Haug und Kameramann Sami Karim von Spiegel TV zum Team um den Autor Glüsing hinzugestoßen sind, machen sie im Grenzstädtchen Oiapoque die Bekanntschaft mit einem mit roten Lendenschurz und Jaguarzahnhalskette bekleideten Indio, der sie mit "Bonjour" begrüßt. Ein Bürger eines überseeischen Territoriums der "Grande Nation", der pünktlich zum Monatsende Kindergeld bezieht und seine Rechungen in Euro bezahlt..

In "Karl May am Amazonas" beschreibt Glüsing das Verhältnis Schulz-Kampfhenkels zu den Indianer. Zum Vormarsch seiner Expedition war dieser auf die örtlichen Indianerstämme der Aparaí, Wayana und Wayapi angewiesen. Sein taktisches Hauptziel war daher auf "Indianersuche" gerichtet. Das rassistische Weltbild des baldigen "SS-Unterstürmführers" offenbart sich in Anmerkungen wie "ein prächtiger Waldmensch....... strömt den charakteristischen strengen, aber nicht hässlichen Indianergeruch aus", seinem Plan "Afrikaner als Arbeitskräfte" einzusetzen und die Rede von der "Herrenrasse". Den Eingeborenen Pitoma beschreibt er schwelgend als Inbegriff des "selbstherrlichen, Freien Indianers" und nennt ihn "Winnentou".

Bei einem Besuch im "Dorf der Euro-Indianer" wird deutlich, dass die Indios Französisch Guayanas ihre Hütten nicht mehr selbst, sondern von brasilianischen Zimmerleuten bauen lassen. Neben dem Bier, als "Kerosin der Indianer", einer Quecksilber verseuchten Mondlandschaft und dem 50 Euro teuren "Programm bei Madame" werden andere zweifelhafte Errungenschaften der Zivilisation betrachtet.

Die Kapitel "Der Große Vater Wissenschaft und die Indios" (1935) und "Lagerleben im Tumucumaque Nationalpark" (2007) schildern das Wesen und die Schwierigkeiten der Forschungsarbeiten. Die folgenden 57 Seiten bilden mit dem "Traum von Deutsch Guayana" das Herzstück des Buches (Zur Wahrung der Spannung soll hier nichts Näheres über Strategien, Pläne, Möglichkeiten usw. verraten werden!) Nach der "weiteren Verwendung im Zweiten Weltkrieg und Entnazifizierung" Schulz-Kampfhenkels bietet das letzte Kapitel "Der Kampf um den Regenwald" ein hochbrisantes und aktuelles Thema. Ein Epilog befasst sich mit Schulz-Kampfhenkels weiteren Werdegangs bis zu seinem Tode 1989. Anmerkungen, ein Abbildungsnachweis der zahlreichen Farb- und SW-Fotos und ein kurzes Portrait Jens Glüsings bilden den Abschluss.

Anders als die NS-Propaganda um "Neu-Schwabenland" und den Vorbereitungen für ein deutsches Kolonialreich in Zentralafrika, unterlag "Das Guayana-Projekt" zur Schaffung eines amerikanischen Brückenkopfes der Geheimhaltung. Jens Glüsing ist es gelungen, eine abenteuerliche historische Fußnote ans Licht zu bringen, ohne die Darstellung ihres menschenverachtenden Weltbildes vor dem Hintergrund eines verbrecherischen Expansionskrieges außer Acht zu lassen. Auch auf die "Freundschaft des NS-Staates" zu lateinamerikanischen Länder, in die eine nicht unerhebliche Zahl von Nazigrößen fliehen konnte, wird hingewiesen. Daneben bietet das Sachbuch eine aktuelle Reportage über die Bedrohungen des Regenwaldes. Sehr empfehlenswert mit 5 Amazonsternen zu bewerten.
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am 24. Oktober 2012
Die Reisebeschreibung ist gut gelungen, insbesondere der Wechsel zwischen "Schulz-Kempfhenkel" und der aktuellen Expedition. Jedoch waren die politischen Darstellungen nicht gut plaziert. Ich hätte mir eine tiefere Beschreibung der menschlichen Beziehungen und der Ureinwohner aus aktueller Sicht und in Korrelation zur Geschichte gewünscht. Zum Schluß - auf den letzten 10-15 Seiten erfolgte eine langweilige politische Interpretation durch den Author.
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am 26. Oktober 2013
Deutschland, damals in Weltecken, wo es keiner vermutet. Es sind doch stets Einzelne oder wahnwitzige Ideen, die große Ergebnisse liefern, unabhängig von politischen Absichten
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