Aufgrund der unheimlich vielen begeisterten Rezensionen habe ich schon lange mit diesem Buch geliebäugelt und nun auch endlich gelesen. Und ich muss sagen, nach so vielen Höchstbewertungen traue ich mich fast gar nicht, keine begeisterte Rezi zu schreiben. Aber ich will bei der Wahrheit bleiben, und die ist nun mal, dass ich das Buch zwar recht gerne gelesen habe, fesseln und begeistern konnte es mich aber nicht.
Es ist mein erstes Buch von Gaiman, daher hatte ich keinerlei Erwartungen an Stil oder Komplexität der Handlung. Ich kannte bisher nur die Verfilmung seines Buches "Sternenwanderer", und der hätte mir schon eine Warnung sein können, denn da hatte ich genau den gleichen Eindruck wie bei diesem Buch. Die Charaktere sind zwar sympathisch und und die Geschichte ganz nett, aber ein zweites Mal muss ich den Film nicht sehen. Doch zurück zum Buch.
Die Fantasiewelt, die Gaiman hier geschaffen hat, fand ich wirklich niedlich und die Friedhofswesen und die Abenteuer, die Bod dort erlebt waren in gewisser Weise zauberhaft. Trotz seines Unterrichts, der ihn eigentlich warnen sollte, gerät Bod in die Fänge von Ghulen, die den armen Jungen als ihre nächste Mahlzeit ansehen und ihn in ihre unterirdische Stadt verschleppen, ein andermal wird er von der Polizei aufgegabelt und fast ins Gefängnis gesteckt.
Zwischen diesen aufregenden Ereignissen ging es aber stellenweise sehr ruhig und unspektakulär zu und oftmals wurde vieles nur oberflächlich angekratzt, wo ich mir mehr Details und Tiefgang gewünscht hätte. Was steckt beispielsweise hinter der Organisation, der Jack angehört, und die unliebsame Personen aus dem Weg schaffen lässt? Und warum erfährt man so wenig über Silas, den wohl mysteriösesten, aber auch interessantesten Charakter des ganzen Buches?
Trotz Geistern, Ghulen und Werwölfen kam bei mir keine Gruselstimmung auf, was daran liegen mag, dass es nun mal ein Kinder- und Jugendbuch ist. Das hat mich auch gar nicht so sehr gestört, aber ganz ehrlich, da dieses Buch als All-Ager auch als Erwachsenenausgabe angeboten wird, habe ich doch etwas mehr erwartet. Ich kann mir gut vorstellen, dass Kinder ganz begeistert von der Geschichte sein werden und auch ich fand einige Aspekte wirklich gut, aber im Gesamten plätscherte die Geschichte irgendwie vor sich hin.
Mein Fazit: Auch wenn das Buch meinen Geschmack nicht getroffen hat, will ich es nicht schlechtmachen, denn dieses Buch bietet eine skurrile Geschichte voller Fantasie, die ein jüngeres Publikum auf jeden Fall begeistern dürfte. Man kann es lesen, aber ich würde es nicht als literarische Bildungslücke betrachten, wenn man es nicht getan hat.
Ich vergebe 3,5 von 5 Punkten.