Sätze, die man nicht vergisst. So wenn von der alten Frau die "mit dem Sterben beschäftigt" ist, "beflissen auf das Sterben konzentriert (einsam, hochmütig und schrecklich)" die Rede ist. Gelesen, wiedergelesen in dem frühen Werk des französischen Literatur-Nobelpreisträger Claude Simon "Das Gras". Lange war "Das Gras" vergriffen. Eva Moldenhauer hat diesen beeindruckenden Roman neu übersetzt und so den langen Sätzen und unendlich vielen Bildern ein neues sprachliches "Gesicht" gegeben. Geschildert wird das Innenleben einer Familie. Eine alte Frau stirbt. Die junge Frau ihres Neffen erzählt von dem, was geschieht und was geschah. Sie erzählt vom Verfließen der Zeit, von der Verkettung von Schicksalen. Figuren zeigen sich und verschwinden wieder.
Auf diese Weise entsteht "Geschichte". Am Ende bleiben die Gedanken und Bilder, die von den Verflechtungen der Dinge um Maschenwerk des Lebens erzählen - von Claude Simon in langen Sätzen und sinnlichen Bildern virtuos beschrieben.
Eine faszinierende Lektüre.