Der Autor erhebt den Anspruch, nüchtern die Fakten des berühmten Turiner Grabtuches zu sichten, des Stoffes, aus dem die Mythen sind.
Diesem Ziel wird er aber leider nur partiell gerecht. In gut lesbarem Stil präsentiert er zwar die wesentlichen Forschungsergebnisse, insbesondere verweist er überzeugend diverse Verschwörungstheorien in das Reich der Fabel. Mit konkreten Bewertungen aber tut er sich schwer, vermutlich, weil entscheidende Details seiner Analyse fehlen. So räumt er z.B. der Radiocarbonuntersuchung aus dem Jahre 1988 (zu) breiten Raum ein; allein anhand des unterschiedlichen Gewichts der untersuchten Randstücke zu dem Grabtuch hätte sich allerdings die Schlussfolgerung aufgedrängt, dass diese C-14-Untersuchung nicht ausagekräftig war, da sie sich nicht auf das Originaltuch bezog. Auch die Münzabdrücke auf dem rechten Auge "UCAI" werden nicht näher thematisiert, insbesondere zu Unrecht eher in den Bereich des Spekulativen verbannt. Vollends nicht nachvollziehbar ist indes der nicht weiter begründete knappe Hinweis, die These, das Seidentuch von Manoppello sei das Schweißtuch Christi, finde nahezu keinerlei Akzeptanz. Hier sollte der Autor dringend (nach-)recherchieren, empfehlenswert: vor Ort in Manoppello! Warum sind denn die Gesichter auf beiden Tüchern - bis ins kleinste Detail (!) - deckungsgleich, zugleich ohne Spuren von Farbe bzw. organischer Substanzen etc.? Das muss man doch beantworten, wenn man ernsthaft die Fakten des Turiner Grabtuches sichten und bewerten will! Ohne die Einbeziehung der aktuellen Erkenntnisse des Manoppello-Schleiers lässt sich das Leinentuch doch überhaupt nicht mehr sachgerecht erfassen! Jedenfalls hätte sich Kollmann damit auseinandersetzen müssen; andernfalls bleibt seine Analyse, der man in vielen Punkten ja durchaus zustimmen kann, leider unvollständig, z.T. auch widerlegt: die These, das Schweißtuch des Johannes-Evangeliums werde in Oviedo verehrt, ist jedenfalls objektiv unhaltbar; hier hätte der Autor schon zwischen dem biblisch nicht erwähnten Bluttuch und dem Gesichtstuch differenzieren müssen. Das Johannes-Evangelium gibt hierzu Aufschluss. Insoweit sollte er seine abschließende Bewertung, allgemein werde die Bedeutung des umstrittenen Kultobjektes vielfach überschätzt, noch einmal überdenken.