Paul Copeland, verwitweter Staatsanwalt, wird zu einem Mordfall gerufen und meint, in der Leiche einen längst Totgeglaubten zu erkennen ... Damit werden Ermittlungen in einem alten Mordfall wieder aufgenommen, die mit der Vergangenheit des Staatsanwaltes Copeland eng zusammen hängen: Zwei Jugendliche waren während eines Sommercamps, an dem auch er teilgenommen hat, ermordet und im Wald verscharrt worden, gleichzeitig wird seine Schwester seit zwanzig Jahren vermisst, ebenso wie der nun gefundene Tote ...
Der Einstieg in die Geschichte ist mir schwer gefallen: Das Buch ist sehr dialoglastig und liest sich stellenweise wie ein Drehbuch. Das nimmt der Geschichte auch einiges an Tempo, nämlich immer dann, wenn seitenweise Dialoge, die sich teilweise künstlich und kaugummiartig in die Länge ziehen, irgendwelche für den Fortgang der Story kaum nennenswerten Erkenntnisse sozusagen ans Tageslicht bringen sollen. Manchmal fällt es auch schwer, den Gesprächen zu folgen, und man muss sehr konzentriert mitlesen, damit man weiß, wer welchen Satz spricht, weil es zwischendurch dazu wenige Hinweise gibt.
Großenteils erzählt aus der Perspektive des oben erwähnten Staatsanwaltes in Ich-Form, wechselt der Roman aus mir unerfindlichen Gründen aber immer wieder die Sichtweise. Der Autor schiebt Kapitel ein, die von einer anderen Person, die zunächst mit dem Ich-Erzähler keinen Kontakt hat, handeln. Da frage ich mich doch ernsthaft: Was soll dann die Ich-Erzählperspektive (vor allem, weil es ja so viele Dialoge gibt, die wenige Hinweise auf die Gedanken des Ich-Erzählers geben)?
Es gibt auch keinen stringenten Handlungsfortgang, weil vor allem in der ersten Hälfte des Buches der Beruf der Hauptperson eine zu große Rolle spielt und ein Gerichtsfall, der mit dem Mord in keinerlei Zusammenhang steht und nur am Rande mit den weiteren Ermittlungen zusammenhängt, in allen Einzelheiten beschrieben wird. Dies gilt auch noch für einige weitere Nebencharaktere.
Zur Story selbst: Diese finde ich gut ausgearbeitet und eigentlich spannend und lesenswert (wenn nicht, wie ich am Anfang bereits geschrieben habe, diese durch die vielen langweiligen Dialoge an Fahrt verlieren würde - oder gar nicht erst richtig aufnimmt).
Vor allem in der zweiten Hälfte des Romans aber wird die Geschichte flüssiger und auch wirklich spannend. Das ist mir vor allem bei meinem Lesepensum aufgefallen: Während ich mich durch die erste Hälfte fast "quälen" musste, habe ich die zweite Hälfte an einem Vormittag gelesen. Da geht es denn auch endlich vorwärts: Es passiert wenigstens etwas!
Das Ende in Form des Epilogs ist - na ja - Geschmackssache. Ich finde es sogar richtig gut!
Was mir auch gefallen hat: Es geht hier nicht blutrünstig zu! Es passiert eigentlich zwar kaum etwas, die Ermittlungen beziehen sich auf Telefonate, Dialoge, Gedanken etc. Das ist aber für meinen Geschmack besser als in allen Details beschriebene Gewalt. Nur zum Ende kommt ein bisschen "Action" auf.
Alles in allem hat dieser Krimi (als Thriller würde ich es jetzt nicht bezeichnen) bei mir sicherlich keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber zum Lesen für zwischendurch reicht es allemal.