Nachdem ich mich durch "Das Grab" gequält habe, stellte ich mir ganz ernsthaft die Frage, ob Laymon mit diesem Buch einen Horror-Roman schreiben, oder diesen persiflieren wollte. Es ist ihm jedenfalls weder das eine, noch das andere gelungen.
Zur Story - ein offenbar vermögender Tankstellenbesitzer tötet Menschen, erweckt diese auf obskure Art wieder zum Leben, woraufhin sie ihm verfallen und total abhängig von ihm sind, und setzt nebenbei einer ehemaligen Mitschülerin nach, die als frisch ausgebildete Ärztin in der selben Stadt lebt. Bei all dem fließen reichlich Blut und eher pubertär wirkende Sex-Fantasien aufs Papier.
Ein Horror-Roman kann gänzlich ohne Blut und Gewalt auskommen, ohne Sex sowieso, muss es aber natürlich nicht. Was Laymons Roman so schlecht macht, ist das wahrhaft pubertär wirkende Niveau des Geschreibsels.
Beispiele:
-Der Bösewicht des Romans kann scheinbar nach Belieben Kunden seiner Tankstelle - und auch Menschen andernorts - umbringen, ohne dabei erwischt zu werden. Dann probiert er verschiedene, ziemlich obskure Methoden aus, diese wieder zum Leben zu erwecken. Als es ihm schließlich gelingt - man sollte sich an dieser Stelle des Romans festhalten, der Bösewicht schafft es immerhin nach Jahren des Mordens endlich, einen Zombie zu erwecken! - reicht es, dass er seinem Opfer mit dem Skalpell ein Gesicht in den Bauch ritzt, eine Wurzel zerkaut und die Pampe in einen der Schnitte näht. Schon steht die Leiche lebend wieder von Tisch auf und betet den Bösewicht förmlich an. Ach ja, beim ersten Mal säuselt der Bösewicht noch einen fremdsprachigen "Zauberspruch" dabei vor sich her, dieser wird später - wenn sogar seine Zombies neue Zombies erschaffen - aber nicht mehr erwähnt, hat also wohl nichts zu bedeuten. Woher diese Methode der Wiederauferstehung kommt, was es mit der Gottheit, die scheinbar dahinter steht, auf sich hat, warum die Toten ihren Mörder dann verehren und alles tun, was er von ihnen verlangt wird in keinster Weise erklärt. Laymon versteht es nicht mal, die erste Wiederauferstehung als Höhepunkt seines Romans zu verpacken - es passiert so unscheinbar quasi nebenbei während der Handlung, dass man tatsächlich erst mal für die nächsten zwei- bis drei Seiten stutzt und denkt, es handelt sich um einen Scherz - bis man merkt, dass Laymon es tatsächlich ernst meint mit dieser Erzählweise.
-Später versucht der Bösewicht einen seiner Zombies wieder zu töten, was gründlich mißlingt. Der Zombie verbrennt oberflächlich, ihm wird der Schädel gespalten, das Hirn mehr oder weniger amputiert, die Zunge heraus gerissen und beide Augen platzen. Als ein Boot mit dem weiblichen Protagonisten des Romans im Fluss an diesem Zombie-Wrack vorbei schwimmt versucht Laymon doch tatsächlich dem Leser zu erzählen, dass die Überbleibsel dieses Zombies nichts anderes zu tun wünschen, als die holde Maid zu vergewaltigen - Letzteres ist übrigens eine Disziplin, die untrennbar zu Laymons Romanen zu gehören scheint und auch in diesem nicht zu kurz kommt.
-Die weibliche Heldin des Romans verliebt sich während des Romans in eine Nebenfigur und muss mit ansehen, wie der Kerl ebenfalls zu einem Zombie wird, der sie prompt gehörsam an den Bösewicht ausliefert. Dabei wird der Zombie getötet, ihre Liebe ist also verloren. Als sie schließlich am Ende des Romans überlebt trifft sie lange Zeit nach der Trennung ihren Ex-Freund wieder - und fällt diesem so dermaßen theatralisch in die Arme und erklärt ihm, dass sie ihn immer noch liebt (und er sie natürlich auch immer noch), dass ich an der Stelle beim Lesen laut lachen musste. Übrigens - nachdem die Heldin zwischendurch in der o.g. Szene am Fluss von dem verbannten Zombie fast vergewaltigt wurde, wäre sie noch am gleichen Abend fast mit ihrem neuen Freund in die Betten gehüpft - auch etwas was Laymon uns in seinen Romanen gern glauben macht, dass Frauen nämlich auch unmittelbar nach einer versuchten oder gelungenen Vergewaltigung erst mal mit ihrem Lover in die Koje wollen. Hier hört selbst der schlechte Geschmack für mich wirklich auf - von der Glaubwürdigkeit gar nicht erst zu sprechen.
-Schließlich gab es noch etwas, was in mir dir Hoffnung weckte, dass Laymon den Roman tatsächlich nur als Persiflage verstanden wissen wollte. Tatsächlich nämlich lässt er den Bösewicht in der "Elm Street" wohnen. Leider war es die einzige Stelle im Roman, die diese Hoffnung rechtfertigte.
Fazit - wer echten Horror will sollte die Finger von diesem Buch lassen. Das gesamte Buch erscheint mir wie aus der Feder eines pubertierenden Jungen geschrieben, der seine Sex- und Gewalt Fantasien zu Papier bringen wollte. Gegruselt habe ich mich kein bißchen, bestenfalls geekelt und es ist so dermaßen vorhersebar, dass es nicht mal spannend ist, geschweige denn dem Genre irgend etwas Neues gebracht hat.