Stefan Weber ist dadurch bekannt geworden, dass seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen durch Dritte plagiiert wurden und er dieses Erlebnis als Anlass nahm, vehement gegen Plagiate jeglicher Art im und aus dem Web zu Felde zieht. Webers Ansatz geht weit über die berechtigte Kritik an der Methodik moderner Netzpiraten hinaus.
Das Buch räumt auf mit dem Mythos der unschuldigen und wertneutralen "Medien an sich". Google und Wikipedia fördern geradezu die "get-all-for-nothing"-Mentalität und ist längst zu einer bequemen Strategie wissenschaftlicher Karrieren geworden. Weber weiß, worüber er schreibt. Seine Kompetenz in der Medien- und Kommunikationswissenschaft ist unbestritten und er ist auch kein Feind von digitalen Kommunikationsmitteln per se. Der Autor fokussiert den Leser auch auf en zweiflhaften Wahrheitsgeeiner Datenmaschinerie, die nie verifiziert wird, sondern nur selbstrefenziert im Kreis verläuft. Das Buch ist interessant geschrieben, erstklassig recherchiert und umfassend dokumentiert.
Leider - und das ist die einzig relevante Schwäche des Buches - wird an einigen Stellen doch der verletzte Stolz des Autors offensichtlich. Gerade diese emotionalen und damit unsachlichen Episoden machen den Autoren angreifbar für unsachliche Kritik. Und ob sich Google und Wikipedia tatsächlich nachhaltig zerstörerisch auf die gesellschaftlich-kulturellen Fundamente des Lernens, der wissenschaftlichen Recherche und den Journalismus auswirken, bleibt zumindest diskussionswürdig, hier hat Weber seinen Adorno vielleicht doch etwas zu oft gelesen.
Trotz dieser Kritikpunkte und einiger Zähflüssigkeiten im Lesefluss kann man dieses Buch uneingeschränkt nicht nur allen empfehlen, die mit und in diesen Medien arbeiten, sondern auch diejenigen, die durch Datenmissbrauch und Netzplagiate direkt (Autoren) und indirekt (Professoren, Lehrer, Vorgesetzte) betroffen sein könnten.